Serravalle (Burg)

Ruine in der Gemeinde Serravalle TI, auf einem breiten Felsrücken zwischen Semione und Ludiano im Bleniotal, gegliedert in Hauptburg und Vorburg mit Kapelle sowie Gerichtsplatz. Die Hauptburg umfasst einen Wohntrakt, einen Burghof, einen mächtigen Rundturm und versch. Ökonomiegebäude. Ein Bering umschliesst das Gelände. Eine erste Burganlage aus dem 9./10.-12. Jh. wurde um 1180 zerstört. Deren Besitzer waren zeitweise die Herren da Torre. Die zweite Burganlage, die heutige Ruine, wurde um 1220/30 unter den Orelli errichtet. Um 1300 erfolgte eine grosse Um- und Ausbauphase, weitere Bauphasen fallen ins 14. Jh. Nach der Zerstörung dieser Anlage 1402 blieb die Hauptburg eine Ruine, in der Vorburg wurden die Kapelle und der Gerichtsplatz weiterhin genutzt. Ab 1345 war S. im Besitz der Visconti, ab 1380 der Pepoli von Bologna. 2002-07 wurde S. vom Hist. Seminar der Univ. Basel und der Accademia di architettura di Mendrisio ausgegraben. Das reiche Fundmaterial, v.a. Luxusgüter wie venezian. Glaswaren, Majolika, Münzen, Schmuck, aber auch Wandmalereien aus dem 13. Jh., verweisen auf den gehobenen Lebensstandard der Bewohner, die sich am nordital. Lebensstil orientierten.


Literatur
– S. Bezzola, W. Meyer, «Castello di S.», in BSSI 108, 2005, 37-66
– S. Bezzola, W. Meyer, «S. TI», in MA: Zs. des Schweiz. Burgenvereins 10, 2005, 14-45

Autorin/Autor: Maria-Letizia Boscardin