15/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Löwenburg

Archäolog. Fundort und Burg in der polit. Gem. Pleigne, JU, auf einem Höhenzug südlich des Lützeltals gelegen. Vor 75'000 bis 65'000 Jahren nutzten Neandertaler in der Nähe der L. eine Fundstätte von in Kalkgestein eingelagerten Silexknollen und -plättchen (aus der Stufe des Oberen Jura im Mesozoikum). Die sorgfältig gearbeiteten Werkzeuge aus dem Moustérien, vorwiegend Schaber, wurden durch Schläge nach der sog. Levallois-Technik gefertigt. Die gefundene Werkstätte ist nach jener von Alle die wichtigste der Schweiz. Da die Stratifikation nicht zu eruieren ist und Umschichtungen des Gesteinsmaterials erfolgten, bleibt unbestimmt, ob Neandertalergruppen den Lagerplatz ein oder mehrere Male benutzt haben. Mindestens zwei weitere Werkstätten aus dem Spätpaläolithikum (zwischen 9000 und 8000 v.Chr.) werden dem Homo sapiens zugeschrieben. Die Funde bestehen v.a. aus zugespitzten Lamellen, Klingen mit Rücken, Sticheln, Kratzern und Bohrern; Abschläge und Kerne sind etwa gleich zahlreich. Die Fundstelle wurde während des Mesolithikums und des Neolithikums, v.a. um 4000 v.Chr., in nicht sehr tief liegenden Minenstollen ausgebeutet. Das gewonnene Steinmaterial wurde v.a. in die Seeufersiedlungen am Jurasüdfuss exportiert.

Die Burg L. (1959-67 Ausgrabung der Ruine) geht auf das 10. Jh. zurück. Sie wurde durch das Sundgauer Geschlecht der Löwenberg erbaut, die ab 1200 einen Löwen im Wappen führten. Mitte des 13. Jh. von den Gf. von Pfirt erworben, gelangte die L. im 14. Jh. an die Habsburger, danach an die Basler Fam. Münch und 1526 an die Abtei Lützel. Die Mönche vernachlässigten die Burg, bauten aber den im Burgbereich liegenden Gutsbetrieb aus und befestigten ihn. Abt Beat Bapst (1583-97) liess Wohn- und Verwaltungsgebäude, einen Eingangsturm, eine spätgot. Kapelle mit fünfseitiger Apsis und eine Ringmauer errichten. Während des Dreissigjährigen Kriegs diente die L. als Zufluchtsort für die Mönche aus Lützel. Im 18. Jh. wurde die Hofanlage um ein Pächterhaus, ein Gästehaus und eine Käserei (heute Museum) erweitert. Nach der Franz. Revolution gelangte sie in privaten Besitz. Seit 1956 gehört sie der Basler Christoph-Merian-Stiftung, die sie restaurieren liess und eine bedeutende Rinderzucht einrichtete.


Literatur
– A. Chèvre, «Löwenbourg», in Actes SJE, 1965-66, 283-340
– W. Meyer, Die L. im Berner Jura, 1968
– E. Maurer, W. Meyer, Die L., JU, 1970 (21989)
– E. und R. Jagher, «Les gisements paléolithiques de la Löwenbourg, commune de Pleigne», in ArS 10, 1987, 43-52
– J. Affolter, Provenance des silex préhistoriques du Jura et des régions limitrophes, 2 Bde., 2002

Autorin/Autor: François Schifferdecker / CS