No 11

Wyttenbach, Thomas

geboren 1472 Biel, gestorben Ende 1526 Biel, von Biel. Wahrscheinlich Sohn des Thomas (gestorben 1472). W. immatrikulierte sich 1496 an der Univ. Tübingen, wo er 1498 den Grad eines Baccalaureus, 1500 eines Magister artium und 1504 des Baccalaureus biblicus erwarb. Seine Lehrer waren Konrad Summenhart (evtl. 1502) und Paul Scriptoris (evtl. 1505), zwei Scotisten, die dem klerikalen Missbrauch kritisch gegenüberstanden. 1505 kam W. als Sententiarius an die Univ. Basel, wo er lehrte und seine Ausbildung fortsetzte (1510 Baccalaureus formatus, 1515 Doktor der Theologie). Zu seinen Schülern zählten Huldrych Zwingli und Leo Jud. Daneben wirkte W. ab Nov. 1507 als Stadtpfarrer in Biel. Zudem war er 1515-20 Kustos und Chorherr am Kollegiatstift St. Vinzenz in Bern. Im Frühsommer 1523 verwarf W. die alte Transsubstantiationslehre in einem Briefwechsel mit Zwingli, der ihm am 15.6.1523 antwortete. Ein Jahr später heiratete er und wurde deshalb als Stadtpfarrer abgesetzt. Die Neugläubigen im Gr. Rat verlangten 1525 zweimal vergeblich seine Wiedereinsetzung. W. durfte Biel auch nicht an der eidg. Disputation in Baden 1526 vertreten. Dagegen wurde ihm eine lebenslängl. Leibrente von zwölf Gulden jährlich zugesprochen. Den Durchbruch der Reformation in Biel im Juli 1528 erlebte W. nicht mehr.


Literatur
– K. Utz Tremp, «Die Chorherren des Kollegiatstifts St. Vinzenz in Bern», in BZGH 46, 1984, 55-110, v.a. 101 f.
– W. und M. Bourquin, Biel, stadtgeschichtl. Lex., 1999, 499
– I. Backus, «Auf den Spuren des Denkers und Theologen W.», in Pro Deo, hg. von J.-C. Rebetez et al., 2006, 293 f.
– M. Wick-Werder, «Ketzerstadt zwischen Bischof und Bern», in Pro Deo, hg. von J.-C. Rebetez et al., 2006, 267-284

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp