08/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Hombrechtikon

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen, am Übergang vom Zürichsee ins Zürcher Oberland. Die stark gekammerte Topografie verhinderte die Entwicklung eines einzigen Dorfkerns. Der Name (um 1200 Humbrechtigkon, 1217 Hunbrechticon) bezieht sich auf die Gesamtheit der Weiler die und zahlreichen Einzelhöfe (97 Siedlungen), darunter Lützelsee (745 Lucikinse) und Feldbach (873 Velepach). 1634 617 Einw.; 1772 1'501; 1850 2'649; 1900 2'292; 1950 3'079; 1980 6'001; 2000 7'246.

Siedlungsspuren der Pfyner Kultur bei Feldbach sowie römerzeitl. Funde im Bereich des Zürichseeufers. Im 8. Jh. ist Grundbesitz des Klosters St. Gallen belegt, im Hoch- und SpätMA auch solcher von Einsiedeln. Mit der Herrschaft Grüningen gelangte H. 1273 als St. Galler Lehen an Habsburg, 1374 als Pfand an die Gessler und 1408 an Zürich. 1450 wurde eine Anzahl von Höfen der Obervogtei Stäfa zugeordnet. 1798 kam H. zum helvet. Distrikt Meilen, 1803 zum Mediationsbez. Horgen, 1814 zum Oberamt bzw. 1831 zum Bez. Meilen. H. gehörte ursprünglich zur Einsiedler Pfarrei Ufenau. Eine rom. St. Niklauskapelle ist 1308 erwähnt, 1369 ein Pfarrer. 1492-95 wurden fünf zuvor nach Dürnten kirchgenössige Höfe nach H. umgepfarrt. In der Reformationszeit erfolgte die vollständige Ablösung von der Ufenau. Der Turm der spätgot. Kirche von 1513-24 wurde 1758-59 im bestehenden Bau, einem Spätwerk von Jakob Grubenmann, weiterverwendet.

Die herkömmliche bäuerl. Wirtschaft veränderte sich im ausgehenden 17. Jh. mit der frühindustriellen Textilverarbeitung. Aus dieser Zeit stammen mehrere qualitätvolle Häuser, u.a. in Lutikon, Lützelsee und Feldbach. 1787 war rund ein Viertel der Ansässigen in der Heimindustrie tätig (80 Webstühle, 339 Spinner). In der 1. Hälfte des 19. Jh. siedelte sich am Tobelbach (Ausfluss des Lützelsees) eine Reihe von Baumwoll- und Seidenspinnereien an. Ihre Blüte bewirkte eine Bevölkerungszunahme bis um 1870. Infolge der Krisenjahre gehörte 1901 nur noch ein Unternehmen dem Textilbereich an. Die Randlage von H. prägte die verkehrsmässige Erschliessung: Im MA lag das Schwergewicht am See, mit dem Fahr in Schirmensee (Verbindung zur Ufenau und nach Zürich) und der alten Landstrasse Zürich-Rapperswil (SG). Auch die jüngere Seestrasse (1834-47) berührte nur den Ortsteil Feldbach. Eine Verbindung des Industrieortes Rüti (ZH) über H. an den Zürichsee wurde 1833-52 gebaut, 1894 die Bahnlinie Zürich-Meilen-Rapperswil (Bahnhof Feldbach) eröffnet. 1901-48 bestand die Uerikon-Bauma-Bahn (Bahnhof H.). Die Erwerbsstruktur veränderte sich kontinuierlich auf Kosten des 1. Sektors. Mit steigender Zahl der Wegpendler wurde H. zusehends zur Wohngemeinde.


Literatur
– H. Bühler, Gesch. der Kirchgem. H., 1938
– M.-A. Lutz, Aus der Dorf- und Kirchengesch. H., 1999

Autorin/Autor: Christine Barraud Wiener