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No 1

Ragaz [-Nadig], Clara

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geboren 30.3.1874 Chur,gestorben 7.10.1957 Zürich, ref., von Chur und Davos. Tochter des Johann Josua Nadig, Gerichtsschreibers, und der Christina geb. Plattner. Schwester der Eva Nadig. ∞ 1901 Leonhard R. ( -> 2). Nach dem Abschluss des Lehrerseminars in Aarau 1892 arbeitete R. als Hauslehrerin in England, Frankreich und im Engadin, anschliessend als Lehrerin in Zürich. Kurz vor ihrem Mann trat R. 1913 in die Sozialdemokrat. Partei ein, doch gemeinsam gaben sie Ende 1935 nach der Zustimmung der Partei zur militär. Landesverteidigung den Austritt. Als legitim erachtete sie hingegen einen bewaffneten Widerstand zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie (z.B. im Span. Bürgerkrieg). Sie zählte 1902 zu den Gründerinnen des Schweiz. Bundes abstinenter Frauen in Basel und nachdem sie 1907 der Union für Frauenbestrebungen beigetreten war, engagierte sie sich 1908-15 in der Sozialen Käuferliga. 1909 leitete sie die Schweiz. Heimarbeitsausstellung in Zürich. Neben ihrem sozialen Engagement für die Arbeiterinnen in Aussersihl und als Dozentin an der Sozialen Frauenschule leitete R. 1929-46 als Vizepräsidentin die Internat. Frauenliga für Frieden und Freiheit, deren Schweizer Sektion sie 1915 mitgegründet hatte und bis 1946 präsidierte. R. zählt zu den bedeutendsten Schweizer Pazifistinnen und Feministinnen der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Gebot christl. Ethik bedeutete für sie Engagement für eine gerechte Gesellschaft, für den Frieden und für das Recht der Frauen auf polit. Partizipation. Letztere begründete sie damit, dass Frauen von ihrem biolog. Geschlecht her sanft und hingebungsvoll seien, was sie für den Kampf gegen Krieg und soziale Ungerechtigkeit prädestiniere.


Werke
Die Frau und der Friede, 1915
Literatur
– I. Wohlgemuth, Clara R. und der feminist. Pazifismus (1915-46), Liz. Zürich, 1991
L. Stamm, Clara R.-Nadig (1874-1957), 1996
– T. Weinhandl, Clara R.-Nadig (1874-1957), 22000
– P. Aerne, Religiöse Sozialisten, Jungreformierte und Feldprediger, 2006
– W. Spieler et al., Für die Freiheit des Wortes, 2009, 219 f.

Autorin/Autor: Brigitte Studer