14/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 1

Oekolampad, Johannes

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

geboren 1482 (eigentl. Johannes Huszgen) Weinsberg bei Heilbronn, gestorben 23.11.1531 Basel, von Weinsberg. Sohn des Johannes Huszgen, eines vermögenden Weinsberger Bürgers, und der Anna Pfister, von Basel. ∞ 1528 Wibrandis Rosenblatt. Der ursprüngl. Familienname Huszgen wurde schon früh von Freunden im Sinne von Hausschein gedeutet und zu Icolampadius bzw. Oecolampadius gräzisiert. Nach dem Besuch der Lateinschule in Heilbronn absolvierte O. 1499-1503 ein humanist. Stud. in Heidelberg, studierte 1503 Jurisprudenz in Bologna und anschliessend Theologie in Heidelberg. 1506-08 wirkte er als Erzieher am Hof des pfälz. Kurfürsten Ludwig V. in Mainz. 1510-18 war er als Prediger in Weinsberg tätig, was die Priesterweihe voraussetzt. O. liess sich wiederholt beurlauben, um sich in Tübingen, Heidelberg und Basel dem Stud. des Griechischen, Hebräischen und der Theologie zu widmen. Dem Kreis der oberrhein. Humanisten angehörend, arbeitete er 1516 auf Einladung von Johannes Froben an Erasmus von Rotterdams krit. Ausgabe des Neuen Testaments mit. Er erwarb sich Verdienste in der Hebraistik, Gräzistik (griech. Grammatik, 1518) und Patristik (zahlreiche Übersetzungen der griech. Kirchenväter). 1518 promovierte O. an der Univ. Basel zum Doktor der Theologie. Nach kurzem Intermezzo als Generalbevollmächtigter des Basler Bischofs in Beichtangelegenheiten wechselte er im gleichen Jahr auf die angesehene Stelle des Dompredigers nach Augsburg. Hier wurde O. in die beginnenden kirchl. Auseinandersetzungen um Martin Luther hineingezogen. Trotz grundsätzl. Sympathien für Luther vermied O. den Bruch mit der Kirche. 1520 zog er sich überraschend ins Birgittenkloster Altomünster in der Nähe von Augsburg zurück, wo er ein stilles Gelehrtenleben zu führen hoffte. Hier setzte er sich literarisch mit der traditionellen Kirche auseinander und publizierte u.a. 1521 eine Schrift über die Beichte, in der er sich zu Luther bekannte. Aufgrund seiner Anschauungen musste er das Kloster 1522 verlassen. Nach seiner Hinwendung zur Reformation kam O. im selben Jahr nach Basel und avancierte zum theol. Anführer der noch jungen kirchl. Reformpartei. 1523 wurde ihm vom Rat eine der beiden theol. Professuren der Universität übertragen, 1525 das Pfarramt an der Kirche St. Martin. Von Anbeginn an entfaltete O. in Basel eine umfangreiche Vorlesungs- und Predigttätigkeit, die ihm als Ausleger der Hl. Schrift weit über Basel hinaus Ansehen verschaffte. In öffentl. Vorlesungen sowie in Predigtreihen legte er bis zu seinem Tod weite Teile des Alten und des Neuen Testaments aus. Die meisten seiner Kommentare erschienen auch im Druck und machten ihn so zu einem der bedeutendsten evang. Exegeten der frühen Reformationszeit. Auch als Kontroverstheologe tat sich O. hervor, etwa im Abendmahlsstreit mit den Wittenberger Theologen. Er vertrat eine streng symbol. Auffassung und verfasste als enger Weggefährte Huldrych Zwinglis mehrere Schriften gegen Luther. Auf der Badener Disputation 1526 war er ein profilierter Gegner von Johannes Eck, der die kath. Partei anführte. Die Tagsatzung verurteilte schliesslich die reformator. Lehre, doch blieb der Beschluss in Basel ohne Wirkung, weil die Stadt lange Zeit eine klare Entscheidung in der Religionsfrage zu vermeiden suchte. 1529 wurde mit der Reformationsordnung, an deren Zustandekommen O. entscheidenden Anteil hatte, die Reformation offiziell eingeführt. Zusammen mit dem Strassburger Martin Bucer wirkte O. auch an der Abfassung mehrerer süddeutscher ref. Kirchenordnungen mit. Von 1529 bis zu seinem Tod hatte er das Amt des ersten Antistes der ref. Kirche von Stadt und Landschaft Basel inne. O.s hohe sittl., v.a. aber ekklesiolog. Ideale, die auf eine stärkere Trennung von Kirche und Staat hinausliefen, liessen sich kaum verwirklichen, beeinflussten jedoch Johannes Calvin.


Quellen
Briefe und Akten zum Leben O.s, 2 Bde., hg. von E. Staehelin, 1927-34 (Neudr. 1971)
Literatur
– E. Staehelin, O.-Bibl., 1918 (21963)
– E. Staehelin, Das theol. Lebenswerk Johannes O.s, 1939, (Neudr. 1971)
TRE 25, 29-36
– O. Kuhr, "Die Macht des Bannes und der Busse", 1999

Autorin/Autor: Olaf Kuhr