• <b>Johann Georg Müller</b><br>Porträt. Öl auf Leinwand von  Franz Joseph Menteler,   1813 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, Sturzenegger-Stiftung).

No 125

Müller, Johann Georg

geboren 3.9.1759 Neunkirch, gestorben 20.11.1819 Schaffhausen, ref., von Schaffhausen. Sohn des Johann Georg, Pfarrers, Lehrers an der Lat. Schule und Prof. am Collegium humanitatis in Schaffhausen, und der Anna Maria Schoop. Bruder des Johannes von M. ( -> 123). ∞ 1788 Maria Katharina Gaupp, Tochter des Eberhard Gaupp. 1779-80 Tischgänger bei Johann Kaspar Häfeli und Stud. in Zürich, verkehrte im Lavater-Kreis. 1780-81 Theologiestud. in Göttingen, wo M. Freimaurer wurde. 1781-82 Tischgänger bei Johann Gottfried Herder in Weimar, mit dem er lebenslang befreundet blieb (1805-10 Mitherausgeber von Herders "Sämtlichen Werken"). 1782 examiniert, während Kandidatenzeit Mitarbeit an der Erschliessung der Bürgerbibliothek Schaffhausen und Betätigung als Privatgelehrter und Übersetzer franz. oder engl. Werke sowie als Prediger. 1784 Mitglied der Helvet. Gesellschaft, 1788 Katechet der Beisassen, 1794 Prof. für griech. und hebräische Sprache am Collegium humanitatis, 1804 für Enzyklopädie, Methodologie und Ästhetik. Nach der Helvet. Revolution 1798 trat M. aus dem geistl. Stand aus. Er wurde zum Direktor der Kirchen- und Schulkammer der Übergangsregierung gewählt (März/April 1798) und amtierte mehrfach als Mitglied der kant. Verwaltungskammer sowie von Mai 1798-April 1799 auch als Unterstatthalter der Helvet. Republik im Distrikt Schaffhausen. 1800-19 war er Bibliothekar an der Bürgerbibliothek. 1803-09 fungierte er als Mitglied der Mediationsregierung des Kantons. Als Oberschulherr (1803-19) reformierte er das Schulwesen (u.a. Landschulordnung 1804); daneben edierte er die Gesamtausgabe der Werke seines Bruders in 27 Bänden (1810-19). 1815 arbeitete M. an der Kantonsverfassung mit; ausserdem war er Mitglied des Kirchen- und Schulrats. In der Jugend von myst.-enthusiast. Religiosität, stand er im Alter der Naturphilosophie und den Erweckungsbewegungen ablehnend gegenüber. Eine gewisse Nähe zur Herrnhuter Brüdergemeine, aber auch eine Aufgeschlossenheit gegenüber dem Reformkatholizismus um Johann Michael Sailer sind in seinen Abhandlungen gelegentlich fassbar. M. hinterliess zahlreiche biogr., wissenschaftl., theol. und philosoph. Schriften und Aufsätze. Sein umfangreicher Briefwechsel bildet eine bedeutende Quelle zur Helvetik, v.a. auch zur geistig-religiösen Situation in Schaffhausen und der Schweiz. 1817 Dr. h.c. der Theologie der Univ. Tübingen und Jena.

<b>Johann Georg Müller</b><br>Porträt. Öl auf Leinwand von  Franz Joseph Menteler,   1813 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, Sturzenegger-Stiftung).<BR/>
Porträt. Öl auf Leinwand von Franz Joseph Menteler, 1813 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, Sturzenegger-Stiftung).
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Werke
Der Briefwechsel der Brüder J. Georg M. und Joh. v. M. 1789-1809, hg. von E. Haug, 1893
Johannes von M., Johann Georg M.: Briefwechsel und Familienbriefe 1766-1789, 3 Bde., hg. von A. Weibel, 2009
Archive
– StadtB Schaffhausen, Ministerialbibliothek, Nachlass
Literatur
– K. Stokar, Johann Georg M., 1885, (mit Autobiogr. 1786, überarbeitet 1799, 3-80)
SchBeitr 37, 1960
NDB 18, 319 f.

Autorin/Autor: André Weibel