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No 8

Manuel, Niklaus

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geboren um 1484 wohl in Bern,gestorben 28.4.1530, von Bern. Sohn der Margaretha Fricker und vermutlich des Emanuel Alleman, Apothekers. Enkel des Thüring Fricker. ∞ Katharina Frisching, Tochter des Hans und der Anna Fränkli, wohl aus der Fam. des Hans Fränkli. Erstmals 1509 bezeugt als „Niclaus Allemann“. Ab 1512 Mitglied des Rats der Zweihundert in Bern. 1513 erste Erwähnung als Maler, u.a. des Berner Juliusbanners. 1514 Erwerb des Hauses an der Gerechtigkeitsgasse, das er bis zum Tode bewohnte. Das Nebeneinander von Kunst und Politik kennzeichnet lange die Laufbahn M.s. Die formale Entwicklung des Monogramms „NMD“, meist mit Dolch, ab 1515 mit Schleife, markiert die zeitl. Abfolge der bildner. Arbeiten, wobei das „D“ vermutlich „Degen“ oder „Deutsch" (Allemann) bedeutet. Das vielseitige bildner. Œuvre umfasst Zeichnungen, Scheibenrisse, Glasscheiben (1508-29), Leinwandgemälde (1513/14-17/18), Altartafeln, kleine Bildtafeln und Bildnisse (um 1514-20), Wandgemälde (um 1516-19) sowie Holzschnitte (1518). Künstlerisch steht M. Basel und dem Oberrhein nahe. Als Schlüsselwerk gelten die Bilder und Texte zum „Totentanz“ an der Friedhofmauer des Dominikanerklosters Bern (1516-19). Schon nach der Niederlage bei Marignano und während der Arbeit am „Totentanz“ reifte die Kritik M.s an den Missständen des Söldnerwesens und am Zerfall der kirchl. und gesellschaftl. Moral zu einer die Reformation ankündigenden Haltung, die z.B. in den versch. Holzschnitten von der mutwilligen "Törichten Jungfrau“ und der eitlen "Klugen Jungfrau" Ausdruck fand. Die Plünderung von Novara und die Niederlage der Eidgenossen in der Schlacht von Bicocca, die M. 1522 als Reisläufer mitgemacht hatte, dürften ihn in seinen Überzeugungen weiter bestärkt haben; er verfasste in der Folge die wahrscheinlich erst im Febr. 1523 aufgeführten Fasnachtsspiele "Vom Papst und seiner Priesterschaft" und "Von Papsts und Christi Gegensatz", in denen er sich als Vorkämpfer der Reformation zu erkennen gab. 1523-28 amtierte er als Landvogt in Erlach, 1528-30 war er Venner zu Gerbern und Mitglied des Kl. Rates. Als Anhänger Huldrych Zwinglis spielte der Maler 1528 bei der Organisation des Bildersturms, den er schon ein Jahr zuvor in dem Scheibenriss „König Josias lässt die Götzenbilder zerstören“ propagiert hatte, eine führende Rolle. Ab 1528 vertrat M. in zahlreichen Missionen die vermittelnde Stellung Berns in den eidg. Glaubenskämpfen. Seine Werke befinden sich heute u.a. in den Kunstmuseen Basel und Bern, im Bern. Hist. Museum, im Berner Münster sowie in bern. Landkirchen.


Werke
Werke und Briefe, hg. von P. Zinsli, T. Hengartner, 1999
Literatur
– C.-A. Beerli, Le peintre poète Nicolas Manuel et l'évolution sociale de son temps, 1953
Niklaus M. Deutsch, Ausstellungskat. Bern, 1979
– B. Moeller, «Niklaus M. Deutsch - ein Maler als Bilderstürmer», in Zwingliana 23, 1996, 83-104
Berns grosse Zeit, hg. von E.J. Beer et al., 1999
– G. Ehrstine, Theater, Culture, and Community in Reformation Bern, 1523-1555, 2002
Berns mächtige Zeit, hg. von A. Holenstein et al., 2006

Autorin/Autor: Hans Christoph von Tavel