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Lieb, Fritz

geboren 10.6.1892 Rothenfluh, gestorben 6.11.1970 Basel, ref., von Basel. Sohn des Hans Rudolf, Pfarrers, und der Louise geb. Fischli. ∞ 1923 Ruth Staehelin, Tochter des Johann Ernst, Pfarrers. Schwager des Ernst Stähelin. Ab 1912 Assyriologie- und Theologiestud. in Basel, Berlin und Zürich, Schüler von Leonhard Ragaz und Hermann Kutter, 1923 Promotion zum Lizenziaten der Theologie, 1924 Habilitation in Basel. In jenen Jahren gewerkschaftlich und politisch aktiv, ab 1915 Mitglied der SP, trat für deren Beitritt zur Dritten Internationale ein. 1925-30 PD in Basel, 1930-33 ao. Prof. für östl. Christentum in Bonn, von den Nationalsozialisten abgesetzt. 1934-37 in Clamart bei Paris tätig, u.a. als Gründer der Freien dt. Akademie, in der Volksfrontbewegung und 1929-36 als Mitherausgeber der Zeitschrift "Orient und Occident". Bekanntschaft mit Walter Benjamin und russ. Emigranten. 1937-58 ao. Prof. für Dogmatik und Theologiegeschichte in Basel, 1958-62 o. Professor, 1947-48 auch o. Prof. für osteurop. Kirche an der Humboldt-Univ. in Berlin. L. war ein Verfechter der dialekt. Theologie Karl Barths. 1938-53 SP-Grossrat von Basel-Stadt, 1945-50 Vorsitzender der Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion, Präs. der Bewegung gegen die atomare Aufrüstung. Kunst-, Bücher- und Gesteinssammler (1951 Schenkung seiner russ.-slaw. Bibliothek an die Universitätsbibliothek Basel). 1930 Dr. h.c. der theol. Fakultät der Univ. Basel.


Literatur
Sophia und Historie, hg. von M. Rohkrämer, 1962, (mit Werkverz.)
– M. Stricker, Ordnung und Erschliessung des Nachlasses von Professor lic. theol. Fritz L. (1892-1970), 1989
Fritz L., hg. von M. Karnetzki, K.-J. Rese, 1992
– F.W. Bautz, Biogr.-Bibliograph. Kirchenlex. 5, 1993, 31-34

Autorin/Autor: Helena Kanyar Becker