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Krüdener, Barbara Juliane von

geboren 11.11.1764 Riga, gestorben 19.12.1824 Karassubasar (heute Belogorsk, Krim), luth.; Tochter des Otto Hermann von Vietinghoff, Obersten. ∞ Baron Burkard von K., Diplomat in russ. Diensten. Im franz. Sprachraum ab 1804 bekannt als Autorin des Briefromans "Valérie". 1801 besuchte K. Germaine de Staël in Coppet und stand mit deren Zirkel in Kontakt. Nach einem Bekehrungserlebnis (1804) und dem Tod ihres Mannes reiste K. als christl. Missionarin durch ganz Europa. In Heilbronn traf sie 1815 erstmals den Zaren Alexander; sie begleitete ihn nach Paris in der Zeit, in der er das Dokument der "Heiligen Allianz" verfasste. Ende 1815 begann K. in der Schweiz eine rege Predigttätigkeit, verteilte ihr Vermögen unter den Hungernden während der Hungersnot von 1816-17 und kritisierte öffentlich die Oberschichten, weshalb sie von mehreren Kantonsregierungen (Basel, Aargau, Luzern, Zürich, Schaffhausen) ausgewiesen wurde. Nach ihrer Rückkehr nach Riga 1818 verlor K. auch die Gunst des Zaren.


Literatur
– C. Eynard, Vie de Madame de K., 1849
– F. Ley, Madame de K. et son temps, 1962
– C. Nöthiger-Strahm, «Die soziale Botschaft der Juliane von K. auf ihren Erweckungsreisen in der Schweiz im Jahre 1816/17», in Ref. Erbe, hg. von H.A. Oberman et al., 1993, 263-278

Autorin/Autor: Christine Nöthiger-Strahm