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Matzendorf

Polit. Gem. SO, Bez. Thal. Die Gem. umfasst das im Dünnerntal gelegene Dorf M., das sich nach dem 2. Weltkrieg vom Strassen- zum Haufendorf entwickelte, und den Weiler Mühli. 968 Mazendorf (Kopie 11. Jh.), 1227 apud Macindorf. 1739 436 Einw.; 1798 478; 1850 803; 1900 825; 1950 1'090; 2000 1'305. Der Dinghof M. (elf Einzelhöfe), der um 1030 vom Kloster Moutier-Grandval in den Besitz des St. Ursenstifts in Solothurn und um 1370 in weltl. Hände kam, schloss nicht das ganze Gemeindegebiet ein. 1449 erwarb ihn die Stadt Solothurn. M. gehörte bis 1798 zur Vogtei Falkenstein; als Sitz des 1536 neu errichteten Gerichts und der Pfarrei M., zu der ursprünglich auch Herbetswil (bis 1843) und Aedermannsdorf (bis 1967) zählten, hatte es Zentrumsfunktion im hinteren Thal. 1420 kaufte die Stadt Solothurn den vom Dinghof unabhängigen Kirchensatz. Von der 1302 erstmals erw. Kirche (Marienpatrozinium) ist der 1457 errichtete Turm erhalten. Das Kirchenschiff wich um 1520 einem Neubau (Pankrazpatrozinium) und wurde 1781 unter Beteiligung Paolo Pisonis erweitert. 1698 entstand im Dorfzentrum die Allerheiligenkapelle, die 1949 abgebrochen und als St. Agathakapelle neu errichtet wurde. Eine Einsiedelei im Horngraben, um 1450 gegründet, ging 1485 ein; erhalten blieb die mehrmals umgebaute St. Antoniuskapelle, die zum Wallfahrtsort von regionaler Bedeutung wurde. Im SpätMA wurde Ackerbau in Zelgen und Feldgrasbau auf Einzelhöfen betrieben. Vom 16. Jh. an wurden die Jurahöhen gerodet und ganzjährig bewohnte Sennberge mit Milchwirtschaft und Sömmerung von Stieren und Ochsen errichtet. In der 1797-98 von Ludwig von Roll erbauten Fayencefabrik M., die auf Aedermannsdorfer Boden liegt, wurde bis 1883 das "Matzendorfer Geschirr" hergestellt. Im 20. Jh. entwickelte sich M. zur gewerbl.-landwirtschaftl. Wohngemeinde (2000: gut zwei Drittel Wegpendler), in der sich kleinere metallverarbeitende Betriebe ansiedelten.


Literatur
Kdm SO 3, 1957, 99-111
– H. Sigrist, «Der Dinghof zu Matzendorf», in JbSolG 30, 1957, 183-194
Tausend Jahre M., 1968
– A. Vogt, 200 Jahre keram. Industrie in M. und Aedermannsdorf 1798-1998, 2000
– A. Fluri, «Zur Geschichte der Pfarrkirche St. Pankratius in M.», in JbSolG 80, 2007, 195-224

Autorin/Autor: Albert Vogt