15/10/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Herrliberg

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen. H. besteht aus einem dreiteiligen Siedlungsraum am rechten Zürichseeufer, der sich aus dem Ufersaum, der terrassierten Dorfregion mit dem zweiteiligen Dorfkern (früher Dächliswil, um 1150 Tachlineswilare) und dem Berg zusammensetzt. Die Gem. umfasst auf der Anhöhe die Weiler Wetzwil, Breitwil (heute Kittenmühle) und Einzelhöfe. 1153-55 Hardiperc, 1273 Herdiperch, Mitte 15. Jh. Härliberg. 1467 42 Haushalte; 1634 516 Einw.; 1760 979; 1850 1'144; 1888 964; 1900 985; 1950 2'298; 2000 5'499.

Eine Besiedlung des Hochplateaus gilt aufgrund einer urkundl. Nennung von Wetzwil (797 Wezinvilare) für das 8. Jh. als gesichert. Die Uferzone und der Abhang dürften spät besiedelt worden sein. Darauf verweisen u.a. sekundäre, aus Flurnamen entstandene Siedlungsnamen, aber auch Rodungsnamen wie Grüt. Das Hofgebiet auf der Anhöhe mit Wetzwil, Breitwil und Intwil gehörte zur Burg Friedberg bei Meilen und 1336 der adeligen Fam. Mülner von Zürich. Die hohen Gerichte über die Weiler kamen 1384 mit der Vogtei Küsnacht zu Zürich, die niederen befanden sich im 14. und zu Beginn des 15. Jh. im Besitz der Zürcher Fam. Bletscher. Um 1417 erlangte die Stadt Zürich die Steuer- und Landeshoheit über H. 1370 werden die Filialkapellen im Dorf und in Wetzwil erwähnt, die der Pfarrei Küsnacht unterstanden. Seit 1631 besitzt H. ein eigenes Pfarramt für die ref. Kirchgemeinde. Die Anfänge der Gemeindebildung liegen im späten 15. Jh. 1550 tauchte erstmals die Nennung der Gemeinde als Körperschaft auf. 1639 ist die Rede von den acht "Geschworenen" und von 1673 ist ein Einzugsbrief erhalten. Die Waldungen dienten den Bauern auf dem Berg als Weide, während die Leute aus dem Dorf den Holznutzen mit Aufforstungen und Einzäunungen förderten. 1550 sprach sich die Obrigkeit in ihren Schiedssprüchen für die Beschränkung der Waldweide aus. In den Berghöfen wurde Ackerbau (teils Zelgen-, teils Egertenwirtschaft) betrieben, am Abhang gegen den See spezialisierte man sich auf den Rebbau. 1670 arbeitete rund ein Viertel der Einwohner in der Heimindustrie. 1787 waren noch 83 Personen in der Weberei und 45 in der Baumwollspinnerei tätig. Wegen der Seelage und Stadtnähe besass H. Landsitze von Zürcher Stadtbürgern und landwirtschaftl. Güter wie die sog. alte Vogtei.

1836 wurde die Strasse am rechten Zürichseeufer gebaut. Mit der Gründung der Dampfschiffgesellschaft 1869 erhielt H. eine Seeverbindung. Seit 1894 besteht die Eisenbahnstation H.-Feldmeilen. Der Einbezug in die Agglomeration Zürich begann in der Zwischenkriegszeit. 1928 unterstellte H. die unteren Gemeindeteile dem kant. Baugesetz für städt. Gebiete. In der Folge nahmen der Ufersaum und die Hangterrassen ein städt. Gepräge an. Der Berg hingegen behielt seinen ländl. Charakter. 1950 betrug der Anteil an Einfamilienhausbauten über 60%, d.h. die Zuzüger gehörten vorab den vermögenden Schichten an. H. gehört zu den reichsten Gem. des Kt. Zürich. 2000 pendelten rund drei Viertel der Erwerbstätigen nach Zürich, während in H. selbst rund drei Viertel im Dienstleistungssektor beschäftigt waren.


Literatur
– H. von Meyenburg, Die Schipf in H., 1957
– W. Debrunner et al., Gesch. der Gem. H., 1980
Bilder der Gem. H., 1981

Autorin/Autor: Martin Illi