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Kessler, Johannes

geboren 1502/03 St. Gallen, gestorben 7.3.1574 St. Gallen, von St. Gallen. Sohn des Hans, eines Stadtbürgers, und der Anna Kuster, Näherin. ∞ 1525 Anna Fässler. K. wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters in ärml. Verhältnissen auf. Nach Absolvierung der Lateinschule in St. Gallen studierte er 1521 in Basel und 1522 in Wittenberg, wo er in Philipp Melanchthon seinen wichtigsten Lehrer fand. Durch Luther in seiner krit. Haltung gegenüber der ma. Kirche bestärkt, verzichtete er auf die Priesterlaufbahn und kehrte 1523 ohne Hochschulabschluss in seine Heimatstadt zurück. Er erlernte das Sattlerhandwerk, hielt aber daneben regelmässig bibl. Lesungen, die eine z.T. radikale ref. Laienbewegung entstehen liessen. Nach Interventionen des Abtes und der eidg. Tagsatzung wurde ihm das Halten dieser Bibelstunden 1524 vorläufig und 1525 dann endgültig untersagt. In der Folge schuf K. die "Sabbata", eine bis 1539 reichende Chronik über das reformator. Geschehen in der Stadt und ihrem weiteren Umkreis. Von Bürgermeister Joachim von Watt (Vadian) gefördert, häufig auch zu theol. Beratungen zugezogen und zur Predigttätigkeit ermuntert, wandte sich K. schliesslich dem Schul- und Kirchendienst zu. 1537 wurde er Schulmeister der Lateinschule, 1540 Mitglied des Ehegerichts, 1542 einer der drei Prediger an St. Laurenzen und 1544 Schreiber der neu entstandenen St. Galler Kirchensynode. Nach Vadians Tod 1551 wurde K., der intensive Beziehungen mit anderen eidg. Reformierten wie z.B. Heinrich Bullinger (1504-75) pflegte, zum einflussreichsten Kirchenmann St. Gallens. 1571 wählte ihn der Rat zum ersten Pfarrer der Stadt.


Werke
Johannes K.s Sabbata, mit kleineren Schr. und Briefen, hg. von H. Wartmann, 1902
Literatur
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 1, 186-189
– I. Wissmann, Die St. Galler Reformationschronik des Johannes K. (1503-1574), 1972
LThK 5, 1412 f.
– R. Gamper et al., Johannes K., 2003

Autorin/Autor: Hans Ulrich Bächtold