• <b>Isaak Iselin</b><br>Porträt des Philosophen und Basler Ratsschreibers, 1784. Ölgemälde von  Anton Hickel;  eigenhändige Kopie der Fassung von 1781 (Historisches Museum Basel).

No 8

Iselin, Isaak

getauft 7.3.1728 Basel, gestorben 15.7.1782 Basel, ref., von Basel. Sohn des Christoph, eines erfolglosen Kaufmanns, und der Anna Maria Burckhardt, aus alter Basler Fam. (1730 geschieden). ∞ 1756 Helena Forcart, Tochter des Dietrich, Stadtschreibers von Kleinbasel, ebenfalls aus der Basler Oberschicht. I. wuchs im mütterl. Haushalt als Einzelkind auf, geleitet vom Bruder seiner Mutter, Isaak Burckhardt, Oberst und Ratsherr. I. besuchte die Schulen in Basel und absolvierte an der dortigen Univ. das Rechtsstud., das er 1755 mit dem Doktorat abschloss. Dem Abschluss vorausgegangen waren 1747-48 ein Studienaufenthalt in Göttingen, der führenden Univ. der dt. Aufklärung, und 1752 ein Bildungsaufenthalt in Paris (Kontakt mit Georges Louis Leclerc de Buffon und Jean-Jacques Rousseau). Nach etlichen Misserfolgen bei Amtsbewerbungen wurde er 1756 Ratsschreiber (Zweiter Staatssekr.). Er blieb dies bis zu seinem Lebensende, da der Aufstieg in die Standesregierung jeweils am Los scheiterte. I. war sechsmal Tagsatzungsgesandter. Bald wurde er zum Führer einer fortschrittl. Opposition. So setzte er sich für die Öffnung des Bürgerrechts, für Reformen des Schulwesens, des Staatshaushalts und der Volkswirtschaft ein, Reformen, die in der Regel am inhärenten Konservativismus der Republik scheiterten.

Hochgebildet, geschult an Platon, der naturrechtl. Jurisprudenz und an Leibniz-Wolffscher Philosophie, stellte sich I. in die christl.-humanist. Linie der Aufklärung und bekämpfte sowohl deistisch-materialistische wie irrationale und orthodoxe Geisteshaltungen als auch die antizivilisator. Ideen Rousseaus. Seine Analysen ethischer, polit., sozialer und pädagog. Fragen hielt I. in einem reichen Schrifttum fest, beginnend mit den "Träumen eines Menschenfreundes", gipfelnd in der "Gesch. der Menschheit": Ausgehend von einer Analyse des primitiven Zustands - I. gehört zu den ersten Theoretikern der Ethnologie - stellte er die fortschreitende Entwicklung der Menschheit zur Menschlichkeit dar und begründete damit neben Voltaire und Adam Ferguson die Geschichtsphilosophie der späteren Aufklärung. Er wurde bald zu einem führenden Publizisten im dt. Sprachraum: Mitarbeit an der Allg. Dt. Bibliothek, Korrespondenz mit Johann Georg Zimmermann, Moses Mendelssohn, Friedrich Nicolai, Johann Kaspar Lavater, Johann Georg Schlosser, Eberhard von Rochow. Er unterstützte die pädagog. Aktivitäten von Johann Bernhard Basedow, Ulysses von Salis und Johann Heinrich Pestalozzi. In der Physiokratie fand er die Bestätigung seiner ökonom. Ansichten. Er zog Johann August Schlettwein nach Basel, trat mit Pierre Samuel Dupont de Nemours und Guillaume François Le Trosne in Verbindung. Seine sozioökonomisch ausgerichteten "Ephemeriden der Menschheit" wurden bald zu einer der führenden Zeitschriften im dt. Sprachraum. I. gehörte 1761 in Schinznach zu den Mitbegründern der Helvet. Gesellschaft, die er 1764 präsidierte. Als lokale Verwirklichung helvet. Ideen rief er 1777 mit seinen Basler Freunden die erfolgreiche Gesellschaft zur Aufmunterung und Beförderung des Guten und Gemeinnützigen (heute Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige) ins Leben. I. versuchte seinen Zeitgenossen die Aufklärung als eine humane und vernünftige Weltanschauung in allg. fassbarer Art mitzuteilen.

<b>Isaak Iselin</b><br>Porträt des Philosophen und Basler Ratsschreibers, 1784. Ölgemälde von  Anton Hickel;  eigenhändige Kopie der Fassung von 1781 (Historisches Museum Basel).<BR/>
Porträt des Philosophen und Basler Ratsschreibers, 1784. Ölgemälde von Anton Hickel; eigenhändige Kopie der Fassung von 1781 (Historisches Museum Basel).
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Werke
Philosoph. und patriot. Träume eines Menschenfreundes, 1755, (sechs Aufl. unter versch. Titeln)
Über die Gesch. der Menschheit, 1764, (sieben Aufl.)
(Hg.) Ephemeriden der Menschheit, 1776-82
Archive
– StABS, Isaak-Iselin-Archiv
Quellen
– «Briefwechsel des Basler Ratsschreibers Isaak I. mit dem Luzerner Ratsherr Felix Balthasar», in BZGA 24, 1925
Literatur
– U. Im Hof, Isaak I. und die Spätaufklärung, 1967
– S.-U. Follmann, Gesellschaftsbild, Bildung und Geschlechterordnung bei Isaak I. in der Spätaufklärung, 2002

Autorin/Autor: Ulrich Im Hof