• <b>Balthasar Hubmaier</b><br>Postumes Porträt des Täufers. Kupferstich, 16. Jahrhundert (Universitätsbibliothek Basel). Im Hintergrund sind Hubmaiers Verbrennung auf dem Scheiterhaufen (links) sowie die Ertränkung seiner Frau Elsbeth Hügline dargestellt.

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Hubmaier, Balthasar

geboren Anfang der 1480er Jahre, gestorben 10.3.1528 Wien, Täufer, aus Friedberg (bei Augsburg). ∞ 1525 Elsbeth Hügline, aus Reichenau. 1512 Doktorat der Theologie in Ingolstadt. Lehrer in Schaffhausen, Prof. und Prorektor an der Univ. Ingolstadt und Domprediger in Regensburg. Ab Frühjahr 1523 wirkte H., der zum neuen Glauben übergetreten war, in Waldshut. Er pflegte Kontakte zur zwinglian. Reformation in St. Gallen, Zürich und Appenzell, führte Gespräche mit Huldrych Zwingli über die Kindertaufe und nahm an der 2. Zürcher Disputation teil, an der er sich gegen die Bilderverehrung und die kath. Messe aussprach. Kaiserl. Gesandte verlangten 1523 und 1524 in Waldshut umsonst seine Auslieferung. H. floh vor österr. Drohungen und hielt sich 1524 zwei Monate in Schaffhausen auf. Die freiwilligen Zürcher Kriegsknechte in Waldshut verhinderten eine militär. Intervention Österreichs. H. kehrte nach Waldshut zurück. Er pflegte Kontakte zu Thomas Müntzer und zu den Täufern in Zürich. 1525 liess er sich taufen und taufte daraufhin rund 300 Erwachsene. Vor der Einnahme der Stadt floh H. nach Zürich, fand zunächst Unterschlupf bei den Täufern um Heinrich Äberli, wurde dann aber mit seiner Frau inhaftiert. Österreich forderte vergeblich seine Auslieferung. Im Dez. 1525 widerrief H. seinen Glauben zuerst schriftlich, um einige Tage später denselben öffentlich zu verteidigen. Er wurde erneut gefangen genommen und - nachdem er widerrufen hatte - 1526 wieder aus der Haft entlassen. Nach seiner Ausweisung hielt er sich in Konstanz, Augsburg und zuletzt als täufer. Volksführer in Nikolsburg (heute Mikulov) in Mähren auf. Ende Juli 1527 wurde er inhaftiert, nach Wien überführt und verbrannt. Seine Frau starb drei Tage später durch Ertränken. H. war ein begnadeter Volksredner und ein beachteter Theologe. Das Tridentinum nennt ihn hinter Martin Luther, Zwingli und Johannes Calvin an vierter Stelle. Er vertrat den Obrigkeiten gegenüber eine positive Haltung, was ihm im Gegensatz zu den apolit. und pazifist. Täufern, die "Stäbler" genannt wurden, den Namen "Schwertler" eintrug.

<b>Balthasar Hubmaier</b><br>Postumes Porträt des Täufers. Kupferstich, 16. Jahrhundert (Universitätsbibliothek Basel).<BR/>Im Hintergrund sind Hubmaiers Verbrennung auf dem Scheiterhaufen (links) sowie die Ertränkung seiner Frau Elsbeth Hügline dargestellt.<BR/><BR/>
Postumes Porträt des Täufers. Kupferstich, 16. Jahrhundert (Universitätsbibliothek Basel).
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Werke
Schr. / Balthasar H., hg. von G. Westin, T. Bergsten, 1962
Literatur
Mennonit. Lex. 2, hg. von C. Hege, 1937, 353-363
– C. Windhorst, «Balthasar H., Prof., Prediger, Politiker», in Radikale Reformatoren, hg. von H.J. Goertz, 1978, 125-136

Autorin/Autor: Ulrich J. Gerber