• <b>Balsthal</b><br>Volkstag vom 22. Dezember 1830, Lithografie von  Joachim Senn,   veröffentlicht bei Schmidt, Basel 1831 (Burgerbibliothek Bern). Josef Munzinger, der frühere Stadtschreiber von Olten, proklamierte die Souveränität des solothurnischen Volks und leitete damit die Regeneration in Solothurn ein.

Balsthal

Polit. Gem. SO, Bez. Thal. Marktflecken und Amteisitz am Oberen Hauenstein. Die Gem. umfasst das Dorf B. mit stadtähnl. Kern, die Klus und den Weiler Sankt Wolfgang. 968 Palcivallis, 1255 Balcetal. 1518 ca. 450 Einw.; 1799 659; 1837 979; 1850 1'077; 1900 2'443; 1930 4'106; 1950 5'107; 1970 5'607; 1980 5'090; 2000 5'574.

Eine spätbronzezeitl. Höhensiedlung lag auf der Holzfluh, ein latènezeitl. Münzschatz wurde oberhalb der Ziegelhütte entdeckt. Röm. Gutshöfe sind bei der alten Kirche, beim Bahnhof und bei St. Wolfgang nachgewiesen. Um die Mitte des 7. Jh. wanderten verm. aus dem Elsass Alemannen zu. Die Christianisierung erfolgte durch Moutier-Grandval. Mitte des 8. Jh. kam B. an das Bistum Basel. Die erste, karoling. Marienkirche war ebenfalls bischöfl. Lehen. Die Burgen Alt-Falkenstein und Neu-Falkenstein stammen aus der 1. Hälfte des 12. Jh. An dessen Ende wurden die Frh. von Bechburg Herren über Dorf und Kirche. Anfangs des 14. Jh. erfolgte ein Neubau der Kirche mit heutigem Grundriss, zudem die Stiftung der Kapellen St. Michael (Beinhaus) und St. Anton. Brände erforderten 1461 und 1539 einen Wiederaufbau der Pfarrkirche, in welcher 1530-33 ein ref. Prädikant wirkte. 1402 erwarb Solothurn mit der Herrschaft Falkenstein auch Dorf und Kirchensatz B. Der Zoll und der vermutete Markt in der Klus wurden nach B. verlegt. Der Flecken wurde Sitz des Gerichts B., zu dem auch Laupersdorf, Mümliswil und Holderbank gehörten, und erlebte in der 2. Hälfte des 15. Jh. eine starke Zuwanderung. Entlang der Passstrasse entstanden zahlreiche Gewerbe, darunter drei Herbergen und die 1476 erw. Fleischschal. Eine Dreizelgenwirtschaft ist ab dem 14. Jh. belegt. Zum Einzugsbereich der 1331 erw. Mühle gehörte Laupersdorf. Ab dem 16. Jh. dominierten in B. die reichen Wirte; sie stellten fast alle Untervögte. Mit wachsender Zahl der Hintersassen wurden Matt- und Ackerland v.a. gegen Westen ausgedehnt. Gleichzeitig erfolgte eine starke Abwanderung; vier Fam. aus B. stiegen sogar ins solothurn. Patriziat auf. Einen guten Ruf hatten auch die Maurermeister von B. 1553 erhielt der Flecken eine Schule, 1766 ein Schulhaus. 1722 wurde das Beinhaus abgebrochen, die St. Annakapelle an die Pfarrkirche angebaut; St. Anna trat als Patronin an die Stelle von Maria der 1760-70 im Innern barockisierten Kirche. 1790 ersetzte ein neues Kornhaus das alte aus dem 16. Jh.

1798 wurde B. helvet. Distriktshauptort, 1805 Sitz des solothurn. Oberamts B.-Thal und Gäu. Während der Kontinentalsperre blühte die 1788 gegr. Baumwollweberei, ging jedoch 1829 ein. Der Volkstag von B. am 22.12.1830 leitete den Sturz des Solothurner Patriziats ein.

<b>Balsthal</b><br>Volkstag vom 22. Dezember 1830, Lithografie von  Joachim Senn,   veröffentlicht bei Schmidt, Basel 1831 (Burgerbibliothek Bern).<BR/>Josef Munzinger, der frühere Stadtschreiber von Olten, proklamierte die Souveränität des solothurnischen Volks und leitete damit die Regeneration in Solothurn ein.<BR/>
Volkstag vom 22. Dezember 1830, Lithografie von Joachim Senn, veröffentlicht bei Schmidt, Basel 1831 (Burgerbibliothek Bern).
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Mit der Aufhebung des Flurzwangs breitete sich die Viehzucht aus; 1860 wurde eine Käserei eröffnet. Die Verlegung der Passstrasse auf die weniger steile linke Talseite 1834 traf die mit dem Fuhrwesen verbundenen Gewerbe B.s. Noch stärker ins Abseits des grossen Verkehrs geriet B. mit der Eröffnung des ersten Hauensteintunnels 1857. Ersatz brachte der Aufschwung der Industrie. Die 1860 im ehem. Kornhaus eingerichtete Seidenzwirnerei ging zwar schon 1891 wieder ein. Aus der 1867 zur Holzmühle umgebauten alten Mühle entwickelte sich indes die Papierfabrik B., und Hauptarbeitgeber wurde das Eisenwerk Klus, das 1930 rund 1'400 Arbeiter beschäftigte. Durch die Stichbahn Oensingen-B. wurde die Gem. 1899 besser an den Verkehr angeschlossen. Den industriellen Aufschwung begleitete eine starke Zuwanderung. Die ref. Zuzüger bildeten 1867 eine Kirchgem. und bauten 1906 eine Kirche. 1914 errichteten auch die Katholiken eine neue Pfarrkirche (St. Anna) näher dem Dorfzentrum; die alte Kirche wurde Friedhofskirche. 1848 erhielt B. eine Sekundarschule, 1855 eine Bezirksschule. 1871-1915 erschien in B. der "Balsthaler Bote" (ab 1889 "Jurabote"). Die mit der wachsenden Einwohnerzahl verbundene Überbauung der ehem. Zelgen liess die Landwirtschaft schrumpfen; heute stehen noch wenige Bauerngüter am Rande der Gem. Die Rezession der 1970er Jahre traf B. schwer. Eisenwerk und Papierfabrik verlegten ihre Produktion an die Jurasüdfusslinie. Neue, kleinere Betriebe siedelten sich nur zögernd an, zumal auch die neuen Autobahnen B. abseits lassen. Dennoch zählte B. 1990 mehr in B. arbeitende (2'713, vorwiegend im 2. Sektor) als in B. wohnhafte Erwerbstätige (2'662).


Literatur
– H. Sigrist, «B.», in JbSolG 41, 1968, 5-352

Autorin/Autor: Hans Sigrist