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Grynaeus, Johann Jakob

geboren 1.10.1540 Bern, gestorben 30.8.1617 Basel, ref. Sohn des Thomas ( -> 6). Bruder des Simon ( -> 4). ∞ 1569 Lavinia de Canonicis aus Bologna, Pflegetochter des Thomas Erastus von Heidelberg, G. zog 1546 mit seinem Vater nach Basel und wurde ein Schüler Simon Sulzers, der ihn als Mitstreiter für die Lutheranisierung der Stadt und Landschaft Basel zu gewinnen suchte. Deshalb schickte Sulzer G. zum Theologiestudium nach Tübingen, wo dieser 1564 die theol. Doktorwürde erwarb. Bereits 1559 wurde G. Diakon in Hauingen (heute Gem. Lörrach) und als Nachfolger seines Vaters 1565 Pfarrer und Superintendent im markgräfl. Rötteln (bei Lörrach). Unter dem Einfluss seines Schwiegervaters Erastus wandte sich G. dem ref. Bekenntnis zu und stellte sich gegen die Einführung der Konkordienformel. 1575 wurde er Prof. der Theologie in Basel und folgte 1586 Simon Sulzer als Antistes. In seiner Amtszeit, die bis zu seinem Tod währte, formte er die Basler Kirche zu einer reformierten autoritären Staatskirche. Dazu erweiterte er das verpflichtende Basler Bekenntnis von 1534 zu einer umfassenden Kirchenordnung, deren Einhaltung er streng kontrollierte. Zahlreiche erhaltene Schriftauslegungen, Vorlesungen, Briefe und Predigten zeugen von einem immensen Arbeitseifer. Diesen machte sich auch der Pfalzgraf Johann Kasimir zu Nutzen, als er G. nach Heidelberg berief. G. reformierte die Heidelberger Universität und trug dazu bei, in der Kurpfalz das ref. Bekenntnis durchzusetzen. Zurück in Basel setzte er sich ab 1586 als Antistes für die Erneuerung des Schulwesens und für die Einführung der Kinderlehre ein.


Werke
Bericht von dem hl. Nachtmahl Jesu Christi unsers Säligmachers, 1578
Das geistl. Kleinod der Kirchen Gottes in der Stadt und Landschaft Basel, 1590
Literatur
– M. Geiger, Die Basler Kirche und Theologie im Zeitalter der Hochorthodoxie, 1952, 40-45
– F. Buri, « Johann Jakob G.», in Der Reformation verpflichtet, 1979, 55-58
Basilea reformata 2002, 2002, 182 f.

Autorin/Autor: Thomas K. Kuhn