07/11/2002 | drucken

Wolfwil



Polit. Gem. SO, Bez. Gäu, im Aaregäu gelegen. W. und die Siedlung Far verschmolzen vom 17. Jh. an zu einem Strassendorf. Der Steckhof Oberer Schweissacher lag ursprünglich in der Holzmarch von Kestenholz. 1266 Wolfwiler. 1739 317 Einw.; 1798 555; 1850 1'033; 1888 880; 1900 926; 1950 1'738; 1960 1'912; 1990 1'799.

W. und vermutlich auch Far (mit erster Fähre) waren Teile der flussübergreifenden Herrschaft der Vorfahren jener von Bechburg und Falkenstein. Solothurn erwarb W. (mit Mühle und Fähre) wahrscheinlich 1402 zusammen mit der Herrschaft Falkenstein. Bis 1518 blieb der grössere Teil von W. als Exklave bei der Vogtei Falkenstein. 1518-1798 gehörte W. zum Oberen Amt der Vogtei Bechburg, ab 1519 zum Gericht Oensingen, ab 1798 zum Distrikt bzw. später zur Amtei Balsthal, seit 1986 Amtei Thal-Gäu genannt. Unter Solothurner Herrschaft wurde W. zunächst vom Pfarrer in Laupersdorf, 1521-1622 von Kestenholz aus betreut. 1622 erfolgte die erneute Gründung einer selbstständigen Pfarrei, der bis 1679 auch Fulenbach angehörte. Die 1616-20 erbaute kath. Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt (1976-77 erweitert) ist Wallfahrtsstätte geblieben. Seit 1988 besitzt die ref. Kirchgem. Gäu-Egerkingen in W. ein Kirchgemeindezentrum. Der nach 1740 erbaute Gasthof "Zum Kreuz" wurde 1790/91 vermutlich nach Plänen von Paolo Antonio Pisoni renoviert und zum patriz. Landsitz erweitert. Besitzer waren die Fam. Wagner, von Roll und Roggenstill. Das erste Schulhaus wurde 1828 errichtet. Seit 1957 besteht die Bezirksschule, seit 1979 in den dezentralen Zweckverband Kreisschulen Gäu integriert, seit 1996 auch die dreijährige Sekundarschule am Ort. Die Aarefähre nach dem bern. Wynau ist heute noch in Betrieb. An die Beschäftigung der Armen erinnert der Besenbinderinnen-Brunnen (1960). Bis zur Rezession um 1974 waren neben landwirtschaftl. sowie Holz- und metallverarbeitenden Betrieben versch. Unternehmen der Uhrenbranche ansässig. Das bis heute als Viehhändler-Dorf bekannte W. erfuhr trotz seinem ländl. Charakter bis 1990 mit 7% Beschäftigten im 1. Sektor einen bedeutenden Ausbau seines industriellen und gewerbl. Sektors (61%). Busverbindungen nach Olten und Oensingen sowie ein zunehmender Anteil von Wegpendlern (1990 64%) bei 890 Erwerbstätigen zeugen von der allmähl. Entwicklung zur Wohngemeinde. 1990 wurden 49% der 596 Arbeitsstellen von Zupendlern besetzt.


Literatur
W., 2 Bde., 1981-1991
– E. Schenker, «Der Obere Schweissacher von W. - einst Teil von Kestenholz?», in JbSolG 64, 1991, 77-153
– E. Schenker, J. Pfluger, «Eine Mühle und ihre Geschichte», in Jurabl. 51, 1989, 81-99

Autorin/Autor: Erich Schenker