15/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Erlenbach (ZH)

Polit. Gem. ZH, Bez. Meilen. Dorf am gleichnamigen Bach mit den früheren Aussenwachten Wyden, Winkel, Isler, Bindschädler und Lerchenberg, am rechten Zürichseeufer am Verkehrsweg Zürich-Rapperswil (SG) gelegen. 981 (im "Liber Heremi", unsicher) und 1173-90 Erlibach. 1400 ca. 200 Einw.; 1764 682; 1850 978; 1888 944; 1900 1'207; 1910 1'510; 1950 3'448; 1970 4'523; 1990 4'377; 2000 4'609.

Aus dem Neolithikum stammen Ufersiedlungen im Winkel und Wyden mit Artefakten v.a. der Horgener Kultur (daneben Pfyner Kultur, Schnurkeramik, Frühbronzezeit) sowie Steinkistengräber im Gehren, aus der Bronzezeit ein Brandgräberfeld im Grund. Eine röm. Villa auf der Allmend ist nur zu vermuten. Zum zwischen 1173 und 1190 erw. Dinghof (später Kelnhof) des Klosters Einsiedeln gehörten die niedere Gerichtsbarkeit und bedeutender Rebbesitz. Meier im erbl. Amt waren durch Klosterammänner ersetzt worden, deren Haus sich bei der Schifflände befand. Das Hofrecht (1331, erneuert 1510, 1620, 1682) regelte Rechte und Pflichten der Hofleute untereinander und gegenüber dem Abt. Die hohe Gerichtsbarkeit hatten vor 1200 die Frh. von Tengen, dann die Gf. von Rapperswil, 1335-1400 die Gf. von Toggenburg inne. Nach der Verpfändung an Zürich um 1400 war E. bis 1798 Obervogtei, gehörte 1803-15 zum Bez. Horgen, danach zum Oberamt und heutigen Bez. Meilen. Von den im 16. und 17. Jh. erw. Burgstellen Dachsberg und Balp fehlen gesicherte archäolog. Nachweise. In den Alten Zürichkrieg datiert ein Scharmützel am See, der sog. Gehrenkrieg 1445. Eine Einsiedler Propstei des 12. Jh. am See ist unsicher überliefert. Die 1275 erw. Agneskapelle (Neubau 1497-1517) war bis 1703 Filiale von Küsnacht. Danach wurde E. selbstständige Kirchgemeinde. Nach dem Bau der neugot. Kirche 1890 wurde die Agnes-Kirche 1892 abgebrochen. Von der Reformation bis 1850 fast ausschliesslich reformiert, waren die Einwohner 2000 zu 47% reformiert, zu 29% katholisch.

Die Bevölkerung war vom SpätMA bis ins 20. Jh. v.a. mit Rebbau (Rebturm des 17. Jh., 1886 65 ha Rebfläche) beschäftigt, daneben wenig Acker-, Gartenbau und Viehwirtschaft. Besitzer der Rebgüter -- als Einsiedler Erblehen -- waren ab dem späten 14. Jh. häufig Zürcher Stadtbürger (u.a. Meiss, Grebel). Eine Allmendteilung erfolgte 1793. Mühle (1331 erw.) und Säge am Dorfbach erlitten 1778 und 1878 Überschwemmungsschäden. Besitzer der herrschaftl. Landgüter Erlengut, Mariahalde und Meissengut (Schönegg) waren wohlhabende Zürcher Stadtbürger. Textile Heimindustrie (1830 über 130 Webstühle) und dörfl. Gewerbe wurden von der Textil- (1872-1929 Seidenweberei Schwarzenbach) und der nachfolgenden Maschinenindustrie (1880 Spulmaschine von Conrad Graf, Maschinenfabrik Schärer bis 1988) verdrängt. Nach Eröffnung der rechtsufrigen Bahnlinie 1894 erfuhr E. ein Wachstum als Wohngemeinde, teils als Villenvorort der Stadt, mit dörfl. Gepräge. Die Kuranstalt Fellenberg (Kneippkuren) bestand 1898-1917. Die Mariahalde wird seit 1894 von der Martinstiftung als Heim für Geistesschwache geführt.


Literatur
– K. Kuprecht, W. Imhof, E., 1981
– K. Kuprecht, 100 Jahre Kirche E., 1990

Autorin/Autor: Karl Kuprecht