Egerkingen

Polit. Gem. SO, Bez. Gäu. Am Jurasüdfuss zwischen Olten und Oensingen gelegen. Dorfkern auf dem geschützten Schuttkegel eines Seitenbachs der Dünnern, jüngste Siedlungen in der Gäuebene. 1201 in Egrichen, 1212 in Egerchingen. 1739 441 Einw.; 1798 700; 1850 1011; 1900 983; 1950 1'440; 1960 1'452; 1980 2'152; 2000 2'884. Auf Ramelen und Burschtel Höhensiedlung aus der Jungsteinzeit. Röm. Gutshof im Kirchenbezirk, röm. Einzelfunde u.a. im Gebiet Krummacher-Bündten. Im Chäppelisrain frühma. Gräberfeld. 1325 verkaufte Rudolf von Falkenstein Güter in E. an Heinrich von Ifenthal, der bereits von Rudolf von Nidau den Zehnten als Lehen besass. Von Hans von Falkenstein ging E. an Hans von Blauenstein, der es 1402 an Solothurn verkaufte. Bis 1798 gehörte E. zur solothurn. Vogtei des Äusseren Amts Falkenstein. E. war Marktort und ab 1640 Sitz der Schule der Vogtei. Die St.-Martins-Kirche aus karoling. Zeit ruht auf röm. Fundamenten. Spätestens ab 1294 gehörte der Kirchensatz je zur Hälfte den Gf. von Falkenstein und den Johannitern in Thunstetten. Das ref. Bern trat den Anteil der 1528 aufgehobenen Kommende 1539 im Vertrag von Wynigen an Solothurn ab. Zur Pfarrei E. gehörten bis 1649 Neuendorf und bis 1805 Härkingen. 1898 entstand in E. die erste ref. Kirche des Bez. Gäu. Die Eröffnung der Gäubahn 1876, die Dünnernkorrektion 1943 und v.a. der Bau der sich bei E. vereinigenden Nationalstrassen A1 und A2 1967-70 hatten zur Folge, dass das Dorf vom geschützten Bachschuttkegel und vom Jurahang in die Dünnernebene hineinwuchs. Der Nationalstrassenbau hat die Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur gänzlich verändert. 1960-2000 verdoppelte sich die Einwohnerzahl beinahe. Der 3. Sektor umfasste 2000 rund drei Viertel der Erwerbstätigen in E., während der 1. Sektor beinahe aus dem ehemaligen Bauerndorf verschwand. Nach dem Nationalstrassen-Baubeschluss 1962 siedelten sich in E. zahlreiche Verteil- und Lagerbetriebe, Einkaufszentren sowie zwei grosse Hotels an - vorher gab es in E. nur einen einzigen kleineren Industriebetrieb. Im Jahr 2000 waren drei Viertel der Arbeitsplätze von Personen von auswärts besetzt.


Literatur
– G. von Arx, K. Rütti, E., 1988
– R.M. Kully, Solothurn. Ortsnamen, 2003, 263-265

Autorin/Autor: Urs Wiesli