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Barth, Karl

geboren 10.5.1886 Basel,gestorben 10.12.1968 Basel, ref., von Basel. Sohn des Fritz ( -> 4), Bruder des Heinrich ( -> 7) und des Peter ( -> 11). ∞ 1913 Nelly Hoffmann, Tochter des Robert, Juristen und Staatsschreibers in St. Gallen. B. besuchte in Bern die Schulen und studierte 1904-08 Theologie (Bern, Berlin, Tübingen, Marburg), bevor er Redaktionsassistent der "Christlichen Welt" wurde. Nach kurzer Tätigkeit als Pfarrer der Deutschschweizer Gem. in Genf versah B. 1911-21 das Pfarramt in Safenwil, wo er sich sozialen und gewerkschaftl. Fragen widmete und der Sozialdemokratie trotz Enttäuschungen über deren Verhalten in Deutschland bei Kriegsausbruch 1914 beitrat. Weil auch seine theol. Lehrer Wilhelm Herrmann und Adolf von Harnack die Kriegspolitik des Dt. Reichs guthiessen, wandte sich B. von der liberalen Theologie des 19. Jh. und dem herrschenden Kulturprotestantismus ab, ebenso vom religiösen Sozialismus (Friedrich Naumann, Hermann Kutter, Leonhard Ragaz). Da die angebl. christl. Errungenschaften durch den Krieg diskreditiert waren, begann B. zusammen mit Eduard Thurneysen die Hl. Schrift neu zu studieren, v.a. den Römerbrief. Die 2. Auflage eines entsprechenden Werks 1922 bewirkte eine grundsätzl. Neuorientierung der Theologie: Zwischen Gott und Mensch herrscht eine unüberbrückbare Distanz. Gott offenbart und verhüllt sich zugleich, er ist der ganz Andere ("dialekt. Theologie", "Theologie der Krisis").

Mit der Berufung B.s auf den Lehrstuhl für ref. Theologie in Göttingen (1921-25) begann die universitäre Laufbahn: Münster (1925-30), Bonn (1930-35), Basel (1935-62/68). In der Aufsatzsammlung "Das Wort Gottes und die Theologie" (1924), in "Die Christliche Dogmatik im Entwurf" (1927) sowie in der monumentalen "Kirchl. Dogmatik" (ab 1932) gewann der neue Ansatz immer präzisere Gestalt. B. nahm definitiv vom Glauben des religiösen Menschen als herrschendem Prinzip der Dogmatik Abschied und erhob das freie, souveräne Wort Gottes, allein in Jesus Christus offenbart und in der auf die Schrift gegr. Verkündigung vermittelt, zum neuen Ausgangspunkt aller Theologie; damit war die Ablehnung der natürl. Theologie jegl. Spielart verbunden. Dabei erwies sich das Stud. Anselms von Canterbury ("Fides quaerens intellectum", 1931) als hilfreich.

Der weiteren Öffentlichkeit wurde B. v.a. durch sein Eingreifen in den dt. Kirchenkampf bekannt. Gegen die sog. Dt. Christen, für die sich Gott auch im Führer, in der Gesch. oder in der arischen Rasse offenbarte, wurde B.s Christozentrik zur wirksamen Waffe (Barmer Theologische Erklärung 1934). 1935 wegen Verweigerung des Beamteneids auf den Führer in den Ruhestand versetzt, kehrte B. fluchtartig in die Schweiz zurück. Von Basel aus unterstützte er den dt. und den internat. Widerstand gegen Hitler, oft zum Entsetzen seiner Freunde oder der Schweizer Regierung. So wurde seine anlässl. der 650-Jahrfeier der Eidgenossenschaft verfasste Schrift "Im Namen Gottes des Allmächtigen", in der B. sich u.a. gegen Gesinnungsneutralität und Zensur wandte, auf Veranlassung Bundesrat Eduard von Steigers im Juli 1941 durch die Zensur verboten. Die 1938-45 verfassten Texte bildeten ein Zeugnis polit. Gottesdienstes ("Eine Schweizer Stimme" 1945). Nach dem Krieg trug B. zur Versöhnung mit dem dt. Volk bei, reiste nach Ungarn und unterstützte ab 1948 die Ökumen. Bewegung. Als Kritiker des westl. Antikommunismus des Kryptokommunismus verdächtigt (Kontroverse mit dem bern. Regierungsrat Markus Feldmann), war B. auch sonst ein "Störenfried", u.a. in der Frage der Remilitarisierung Deutschlands oder der atomaren Bewaffnung der Schweizer Armee sowie in der Ungarnkrise. In mehreren wichtigen Schriften griff er in aktuelle theol. oder ethische Diskussionen ein. Gottes Göttlichkeit besteht in seiner Menschlichkeit ("Die Menschlichkeit Gottes" 1956), was B.s Predigten in der Basler Strafanstalt, seine Texte zu Mozart, die "Einführung in die Evangelische Theologie" (1962) oder der Briefwechsel mit dem Dramatiker Carl Zuckmayer (postum) prakt. unter Beweis stellten.

Das 2. Vatikan. Konzil erregte Interesse und Hoffnung des bereits von Krankheit und Operationen Gezeichneten (Romreise). Unzählige Ehrendoktorate und Auszeichnungen galten dem als Genius der Theologie Gefeierten. Der Editions- und Rezeptionsprozess des Werks (Gesamtausgabe, auch des Nachlasses durch die Karl-Barth-Stiftung) ist immer noch in vollem Gang.


Werke
Karl B.-Gesamtausg., 1-, 1973-
Kirchl. Dogmatik, 31 Bde., 1986-93, (Studienausg.)
Archive
– Karl-Barth-Archiv, Basel
Literatur
– E. Busch, Karl B.s Lebenslauf, 1975 (51993)
– E. Jüngel, B.-Studien, 1982
– K. Blaser, Karl B. 1886-1986, 1987
B. contemporanco, hg. von S. Rostagno, 1990
– E. Busch, Die grosse Leidenschaft, 1998 (22001)

Autorin/Autor: Klauspeter Blaser