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Anshelm, Valerius

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geboren 1475 (eigentl. Valerius Rüd) Rottweil (D),gestorben 1547 verm. Bern, von Rottweil und ab ca. 1505 von Bern. Sohn des Wilhelm. ∞ Elsbeth Huber, von Staufen (D). A.s Grossvater Boley der Rüd hatte als Venner der mit den Eidgenossen verbündeten Rottweiler in den Burgunderkriegen mitgekämpft. Sein Stud. an der Univ. Krakau, 1493-95, schloss A. mit dem Bakkalaureat ab. 1496 immatrikulierte er sich an der Univ. Tübingen, wo er sich noch 1499 aufhielt. 1501 hielt er sich als fahrender Scholar in Lyon auf. 1505 ernannte ihn der Rat von Bern zum Vorsteher der Lateinschule, 1508 zum Stadtarzt. 1510 verfasste A. ein lat. Kompendium der Weltgesch., das aber, weitergeführt bis 1536, erst 1540 bei Matthias Apiarius in Bern gedruckt wurde. Nach seinen eigenen Worten war A., der den Zustand der Kirche freimütig anprangerte, einer der ersten und eifrigsten Anhänger Luthers und der Reformation in Bern. Mit den Reformatoren Zwingli, Vadian und Berchtold Haller stand er in freundschaftl. Verbindung, wovon auch ein lat. Briefwechsel zeugt. Der ihm vom Rat 1520 zugedachte Auftrag, die Fortsetzung der amtl. Stadtchronik zu schreiben, fiel vorerst unter unbekannten Umständen dahin. Gegen die Marienverehrung gerichtete Äusserungen seiner Frau 1523 nötigten die Fam. 1525, zurück nach Rottweil zu ziehen. Dort wurde er in die kirchl. Auseinandersetzung hineingezogen und kam vorübergehend ins Gefängnis. Sein Wunsch, in das 1528 ref. gewordene Bern zurückzukehren, ging in Erfüllung, als ihn der Rat von Bern auf Vermittlung Zwinglis 1529 zum amtl. Chronisten berief. Er war Stubengeselle zu Schmieden. 1535-37 amtete er auch wieder als Stadtarzt.

A.s Hauptwerk ist die 1529-46 entstandene, annalist. strukturierte "Berner Chronik", die, nach einem einleitenden Teil zur früheren Gesch., der Zeitgesch. von den Burgunderkriegen bis 1536 gewidmet ist. Die Darstellung der Jahre 1526-36 ist z.T. nur fragmentar. erhalten, vieles durch die Hand Michael Stettlers abgeschrieben oder ergänzt. Quellenmässig zeichnet sich A.s Chronik insbes. durch die intensive Benutzung von amtl. Akten wie auch von Augenzeugenberichten aus. Aus seiner hist. Sicht sollte die nach den Burgunderkriegen einsetzende Periode der v.a. als Folge der Pensionenpolitik gesehenen Dekadenz durch eine tiefgreifende moral. und polit. Erneuerung, die Reformation, überwunden werden. Diese wurde ab 1517 A.s vorrangiges Thema. Bezeichnend für sein Werk sind die kämpfer.-antiröm. Tendenz wie auch das rasch gefällte Werturteil des überzeugten Protestanten, für den die oberste Instanz in allen Dingen Gott und sein Wort ist.


Literatur
– Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 1, 165-174

Autorin/Autor: Hans-Beat Flückiger