• <b>Wädenswil (Gemeinde)</b><br>Ansicht aus der Vogelschau von Osten. Aquarellierte Federzeichnung von  Johannes Isler,   um 1768 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Die Hauptsiedlung liegt am See, dessen Ufer sich von der Halbinsel Giessen (linker Bildrand) zum Sagenbach und Galgenhölzli (rechter Bildrand) erstreckt. Im Zentrum des Bilds steht die 1764–1767 von Hans Ulrich Grubenmann erbaute Kirche, neben dem Friedhofstor das Richt- und Gesellenhaus mit Krüppelwalmdach und Klebdächern sowie vor dem Gotteshaus das Pfarrhaus. Das Landvogteischloss befindet sich auf einer Anhöhe südlich des Dorfs (in der Mitte der linken Bildhälfte). Die Perspektive vermittelt einen Einblick in die Einzelhoflandschaft des Gemeindeteils Berg, in der Obst- und Rebbau vorherrschen. Die bewaldete Höhronen (links) und die Zimmerbergkette mit den Einzelbäumen bilden den Horizont.

Wädenswil (Gemeinde)

Polit. Gem. ZH, Bez. Horgen. Bildungsstadt mit immer noch 70 Landwirtschaftsbetrieben am linken Zürichseeufer, besteht aus den alten Gemeindeteilen Dorf und Berg mit Streusiedlungen und der nach 1960 stark überbauten Au. 1130 Wadinswilere. 1634 1'480 Einw. (davon 829 im Teil Dorf); 1836 5'094; 1850 5'841; 1900 7'585; 1950 10'155; 2000 19'464.

<b>Wädenswil (Gemeinde)</b><br>Ansicht aus der Vogelschau von Osten. Aquarellierte Federzeichnung von  Johannes Isler,   um 1768 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Die Hauptsiedlung liegt am See, dessen Ufer sich von der Halbinsel Giessen (linker Bildrand) zum Sagenbach und Galgenhölzli (rechter Bildrand) erstreckt. Im Zentrum des Bilds steht die 1764–1767 von Hans Ulrich Grubenmann erbaute Kirche, neben dem Friedhofstor das Richt- und Gesellenhaus mit Krüppelwalmdach und Klebdächern sowie vor dem Gotteshaus das Pfarrhaus. Das Landvogteischloss befindet sich auf einer Anhöhe südlich des Dorfs (in der Mitte der linken Bildhälfte). Die Perspektive vermittelt einen Einblick in die Einzelhoflandschaft des Gemeindeteils Berg, in der Obst- und Rebbau vorherrschen. Die bewaldete Höhronen (links) und die Zimmerbergkette mit den Einzelbäumen bilden den Horizont.<BR/>
Ansicht aus der Vogelschau von Osten. Aquarellierte Federzeichnung von Johannes Isler, um 1768 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Siedlungsreste aus der Jungstein- und der Bronzezeit wurden bei der Vorderen und Hinteren Au, röm. Funde auf dem Kirchhügel und Alemannengräber im Oberdorf entdeckt. Im HochMA bildete W. zusammen mit Richterswil und den Höfen zu Hütten, Geissferen (ab 1703 Schönenberg) und Uetikon das Herrschaftsgebiet der Frh. von W., die ihre Rechte - u.a. die hohe und die niedere Gerichtsbarkeit - bis 1287 ausübten. Wichtige andere Grundbesitzer waren die Klöster Kappel, Frauenthal, Wettingen und die Fraumünsterabtei sowie die Herren von Hünenberg. 1287-1549 bestand in W. eine Johanniterkommende. Die Gerichtsbarkeit über die im Herrschaftsgebiet niedergelassenen Gotteshausleute des Fraumünsters und des Klosters Einsiedeln stand als Lehen den Herren von Hünenberg zu und kam 1408 an die Kommende. 1342 schloss diese mit Zürich ein Burgrecht ab, das der Stadt 1351 das Mannschaftsrecht und 1402 das Steuerrecht einbrachte. Während des Alten Zürichkriegs (1436-50) erklärte sich die im Grenzbereich zwischen den Kriegsgegnern Zürich und Schwyz gelegene Kommende für neutral. 1467-68 verweigerten die Herrschaftsleute Zürich die Steuern (Wädenswilerhandel). Ein Schiedsgericht in Bern urteilte zugunsten von Zürich, das seine Stellung gegenüber dem auch finanziell geschwächten Orden stärken und ab 1484 einen weltl. Schaffner einsetzen konnte. 1500-50 bekleideten Angehörige der Ammannsfamilie Wirz von Uerikon dieses Amt. In den 1520er Jahren kam die religiöse, rechtl. und wirtschaftl. Stellung des Johanniterordens in W. unter dem Einfluss der Reformation, die hier 1529 durchgeführt wurde, ins Wanken. 1549 verkaufte der Orden die Herrschaft W. mit allen Rechten an die Stadt Zürich. Schwyz und Glarus fühlten sich durch die Burg W. bedroht und erhoben auf der Tagsatzung Einspruch gegen die Handänderung. Der Konflikt wurde 1550 beigelegt; Zürich durfte die Herrschaft W. als Landvogtei seinem Stadtstaat eingliedern, musste aber die Burg abbrechen (1557). Als Sitz für die bis 1798 in W. residierenden Landvögte wurde südlich des Dorfs ein Schloss gebaut, das im Bockenkrieg 1804 einem Brandanschlag zum Opfer fiel und 1816-18 durch einen Bau von Hans Konrad Stadler ersetzt wurde. 1646 verweigerten die Herrschaftsleute in W. und Richterswil der Zürcher Obrigkeit die Steuern. Nach dem Scheitern von Verhandlungen zogen daraufhin 5'000 Mann unter dem Kommando von General Conrad Werdmüller am 1. Oktober zu Land und auf dem See gegen W. und besetzten Ort, Schloss und Herrschaft. Vier Rädelsführer des Steueraufstands wurden hingerichtet; die entwaffneten Untertanen mussten Gehorsam schwören. Der Landtag, der das Blutgericht der Herrschaft ausgeübt hatte, wurde aufgehoben, der Galgen westlich des Dorfs abgebrochen.

Das Patronat der 1270 erstmals erwähnten, aber sicher älteren Marienkirche stand den Frh. von W. zu, kam vor 1287 ans Kloster Wettingen und von diesem 1291 an die Johanniter. Mit dem Kauf der Herrschaft W. ging die Kollatur 1549 an Zürich über. Der 1638 erweiterte Bau hatte einer barocken Querkirche zu weichen, die 1764-67 von Hans Ulrich Grubenmann geplant und mit Stuckaturen von Peter Anton Moosbrugger ausgestattet wurde. Die letzte Aussenrestaurierung erfolgte 1983-84, die letzte Innenrenovation 1998-99. Die Katholiken verfügen seit 1897 über die von August Hardegger entworfene neurom. Kirche, seit 1956 über die Annakapelle im Gemeindeteil Berg sowie seit 2003 über die Bruder-Klaus-Kapelle in der Au. Zur Kirchgemeinde W. zählten bis 1620 auch der Weiler Spitzen, der dann der neu gebildeten Kirchgemeinde Hirzel zugeteilt wurde, sowie das Gebiet der heutigen Gem. Schönenberg.

Das Dorf gehörte bis 1798 zur Landvogtei W. Das um 1500 gebaute Richt- und Gesellenhaus bei der Kirche wurde 1821 abgebrochen. Die neu gebildete Einwohnergemeinde war während der Helvetik und der Mediationszeit Teil des Distrikts bzw. Bez. Horgen. Nachdem Schönenberg sich schon in der Helvetik von W.-Berg getrennt hatte, wurde 1813 auch die Güterausscheidung zwischen den beiden Gem. abgeschlossen. Die Kantonsverfassung von 1814 schuf das Oberamt W., dessen Umfang demjenigen des heutigen Bez. Horgen entsprach. Sitz des Oberamtmanns war bis 1830 das Schloss W. 1831 löste Horgen W. als Bezirkshauptort ab. 1925 wurden die selbstständigen Schulsektionen Langrüti, Stocken und Ort mit der Primarschulgemeinde W. vereinigt, die ihrerseits 1944 in der polit. Gemeinde aufging. Aus der 1836 errichteten Sekundarschulgemeinde W.-Schönenberg entstand 1960 die Oberstufenschulgem. W. mit Schönenberg und Hütten.

Neben die Land- und Viehwirtschaft mit Käseproduktion und das vom SpätMA an bedeutende Gewerbe trat ab dem 17. Jh. die auf Heimarbeit für das Verlagswesen basierende Baumwoll- und Seidenindustrie. Ein reges geistiges Leben entwickelte sich, das in der 1790 gegr., heute noch bestehenden Lesegesellschaft seinen Mittelpunkt fand. Im 19. Jh. wandelte sich das Bauerndorf zur Industriegemeinde mit drei Tuchfabriken, drei Hutfabriken, einer Gerberei, einer Brauerei sowie der Metallwarenfabrik Blattmann (1838 gegr.). Drei weitere aus dieser Zeit stammende Unternehmen, die Seidenweberei Gessner (1841), die Stärkefabrik Blattmann (1856) und die Bürstenfabrik Erzinger (1863), bestanden noch Anfang des 21. Jh. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden beim Bahnhof Au, in der Hinteren Rüti, im Appital und im Moosacher neue Industriezonen. 1816 wurde die Sparkasse W., 1863 die Bank W. gegründet. Der Bau der linksufrigen Seebahn (1875) sowie der W.-Einsiedeln-Bahn (1877, ab 1891 Südostbahn) und die Neugestaltung des Bahnhofareals 1930-34 mit der Anlage eines neuen Bootshafens veränderten das Gebiet am See entscheidend. Auf privater oder genossenschaftl. Basis wurde 1849 die Strassenbeleuchtung, 1874 das Gaswerk (aufgehoben 1926) und 1878 die Quellwasserversorgung geschaffen. Mit dem Bau des Armenhauses 1818, des Waisenhauses 1848 (geschlossen 1982), des Kinderheims Bühl für geistig Behinderte 1870, des Krankenasyls 1886, der Kinderkrippe 1898 und des Bürgerheims 1912 übernahm die Gem. auch auf sozialem Gebiet versch. Aufgaben. 1928 entstand das Altersheim Fuhr (heute Wohnzentrum), 1971, 1988 und 2012 in mehreren Schritten das Alterszentrum Frohmatt, 1969 die Alterssiedlung Bin Rääbe und 1974 die Alterssiedlung Am Tobelrai. Die 1890 im Schloss eröffnete interkant. Versuchsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau ging 1902 an den Bund über (heute Teil der Forschungsanstalt Agroscope Changins-W.). 1895 erfolgte die Gründung der Obst- und Weinbaugenossenschaft und 1942 diejenige der Schule für Obstverwertung, aus der sich die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelte. In W. gibt es rund 200 Vereine, u.a. die seit 1945 bestehende Laienspielgruppe Freunde des Volkstheaters W. (heute Volkstheater W.). Wichtige Anlässe sind die Chilbi am Sonntag nach dem St.-Bernhards-Tag, dem 20. August, und die Viehschau am dritten Donnerstag im Oktober. Die Lokalzeitung, der 1841 gegr. "Allg. Anzeiger vom Zürichsee", erscheint seit 1997 unter dem Titel "Zürichsee-Zeitung Bez. Horgen". Die geschützte Halbinsel Au gehört zum grössten Teil dem Kt. Zürich und dem 1911 gegr. Au-Konsortium. Seit 1974 ist W. eine Stadt und verfügt über ein Gemeindeparlament. Dank günstiger Verkehrslage (SBB, Schweiz. Südostbahn, Zürichsee-Schifffahrt, Postautokurse nach Schönenberg und Hütten, Ortsautobus seit 1953, A3) entwickelte sich W. in der 2. Hälfte des 20. Jh. zum Einkaufszentrum der Region.


Literatur
– P. Ziegler, W., 2 Bde., 1971-82
GKZ 2, 316 f.

Autorin/Autor: Peter Ziegler