No 19

Wattenwyl, Friedrich von

geboren 7.2.1700 Bern, gestorben 24.4.1777 Herrnhut (Oberlausitz), ref., von Bern. Sohn des Friedrich und der Johanna Maria Frisching. Bruder des Niklaus ( -> 36). ∞ 1724 Johanna Sophie von Zetschwitz, Tochter des Heinrich Konrad. W. wurde 1713 von seinem Vater, der 1699 wegen seiner pietist. Gesinnung den Assoziationseid verweigert und dadurch auf eine bern. Ämterkarriere verzichtet hatte, an das von August Hermann Francke gegr. Pädagogium in Halle an der Saale geschickt. Dort befreundete er sich mit Gf. Niklaus Ludwig von Zinzendorf. Nach seiner Rückkehr nach Bern 1716 arbeitete er mehrere Jahre in der Bank Malacrida & Cie. und tätigte für seinen Vater als einen der Hauptgläubiger der Bank Finanzgeschäfte in Paris. Nach dem Zusammenbruch der Bank 1720 übersiedelte W., dem Drängen Zinzendorfs nachgebend, 1722 auf dessen Herrschaftssitz Berthelsdorf (Oberlausitz). Dort wirkte er als Gutsverwalter und half, die aus Mähren vertriebenen Glaubensbrüder anzusiedeln und Herrnhut zu gründen. Wiederholt unternahm W. allein oder mit Zinzendorf Erweckungs- und Visitationsreisen in die Schweiz. Nach seiner Ernennung zum Bf. der Herrnhuter Brüdergemeine in Burau (Schlesien) 1743 versuchte er auf einer weiteren Visitationsreise, für das von seinem Vater ererbte Gut Montmirail (Gem. La Tène), das inzwischen zu einer Brüderkolonie für flüchtige Pietisten und Waldenser geworden war, staatl. Anerkennung und kirchl. Freiheit zu erwirken, scheiterte aber am Widerstand der neuenburg. Geistlichkeit. 1744 adoptierte W. Johann Langguth, den Sohn eines luth. Predigers, der ihm 1747 als Bischof nachfolgte und später in Amerika das Werk der Herrnhuter fortsetzte.


Archive
– Archiv der Brüderunität, Herrnhut
– BBB, FamA
Literatur
Slg. bern. Biogr. 3, 1898, 35 f.
– J. Grosse, Stud. über Friedrich von Watteville, 1914
– N. Linder, Die Berner Bankenkrise von 1720 und das Recht, 2004

Autorin/Autor: Hans Braun