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Schlatter [-Bernet], Anna

geboren 5.11.1773 St. Gallen, gestorben 25.2.1826 St. Gallen, ref., von St. Gallen. Tochter des Caspar Bernet, Mousselinefabrikanten und Ratsherrn, und der Cleophea Weyermann. Enkelin des Caspar Bernet. ∞ 1794 Hector S., verwitweter Kaufmann. S. war eine weit über St. Gallen hinaus bekannte, anfänglich von Johann Kaspar Lavater geprägte eigenständige Vertreterin der aus dem Pietismus erwachsenen Erweckungsbewegung und entfaltete einen vielfältigen Wirkungskreis. In ihrer Heimatstadt initiierte sie den wohl ersten Frauenverein und engagierte sich karitativ. Zu Hause empfing die 13-fache Mutter Besucher wie Friedrich Schleiermacher und die württemberg. Herzogin Henriette. Sie korrespondierte mit zahlreichen Persönlichkeiten, so mit Johann Heinrich Jung-Stilling und Christian Friedrich Spittler; überdies pflegte sie enge freundschaftl. Beziehungen auch zu kath. Theologen, besonders zum Regensburger Bf. Johann Michael Sailer. Als Laientheologin trat sie für ein ökumen. Christentum wie auch für die Lehre von der "Wiederbringung aller Dinge" und den Pazifismus ein. Neben Gedichten, von denen einige in Kirchengesangbücher aufgenommen wurden, verfasste sie bibl. Betrachtungen und Aufsätze, u.a. über Ehe ("Ehestandsbüchlein" 1868) und Erziehung.


Quellen
Frauenbriefe von Anna S., Wilhelmine von der Heydt und Kleophea Zahn, hg. von A. Zahn, 1862 (31875)
Anna S.s Leben und Nachlass, 3 Bde., [1865]
Literatur
– J. Ninck, Anna S. und ihre Kinder, 1934
– M. Jehle-Wildberger, Anna S.-Bernet 1773-1826, 2003 (mit Bibl.)
– M. Jehle-Wildberger, «Zwischen Heiligsprechung und Domestizierung: Anna S.-Bernet (1773-1826)», in Gendering Tradition, hg. von U. Gleixner, E. Hebeisen, 2007, 47-66 (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Werner Raupp