• <b>Hermann Kutter</b><br>"Religiös-soziale Konferenz" in Degersheim, Oktober 1906 (Zentralbibliothek Zürich, Nachlass Hermann Kutter). An der Degersheimer Konferenz wurde von jungen Pfarrern im kleinsten Kreis die "religiös-soziale Konferenz" ins Leben gerufen, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch sechsmal tagte. Das Gruppenfoto zeigt in der vorderen Reihe Hermann Kutter (links), den Reformpädagogen Johann Georg Hagmann und Leonhard Ragaz, hinten in der Mitte den Degersheimer Dorfpfarrer Hans Bader, flankiert von den Pfarrern Oskar Pfister (links) und Emanuel Tischhauser.

No 2

Kutter, Hermann

geboren 12.9.1863 Bern, gestorben 22.3.1931 St. Gallen, ref., von Mett (heute Gem. Biel). Sohn des Wilhelm Rudolf ( -> 4) und der Maria Albertine geb. König. ∞ 1892 Lydia Rohner, Tochter des Jakob. Theologiestud. in Bern und Basel, 1896 Lic. theol.; 1886 Ordination, 1887 Pfarrer in Vinelz, 1898-1926 am Zürcher Neumünster. Von einem pietist.-positiven Christentum geprägt, strebte K. zunächst eine akadem. Karriere an. Angeregt durch den Württemberger Christoph Blumhardt in Bad Boll und beeinflusst von Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und der zeitgenöss. Lebensphilosophie, veröffentlichte er die Schrift "Das Unmittelbare, eine Menschheitsfrage" (1902, 31921), in der er sich gegen den theol. Intellektualismus wandte und das unmittelbare Erlebnis Gottes forderte. In seinem Werk "Sie müssen" (1904), das sich als Bussruf an die Kirchen richtete, nahm K. positiv Stellung zur Sozialdemokratie, die er als Werkzeug Gottes interpretierte. Das Buch "Wir Pfarrer" (1907) warnte vor einseitiger sozialer pastoraler Betriebsamkeit und forderte die Predigt des lebendigen Gottes. Zudem unterzog K. die übl. Kasualpraxis einer heftigen Kritik. Von 1910 an entfremdete er sich von Leonhard Ragaz wegen unterschiedl. Beurteilungen des Verhältnisses von Kirche und Arbeiterschaft. Während des 1. Weltkrieges verschärften sich ihre polit. Auseinandersetzungen, da K. auf der Seite der Deutschen stand. Diese Sympathien formulierte er in seinen 1916 erschienenen "Reden an die deutsche Nation". K. ging theologisch von einem an Blumhardt inspirierten universalen eschatolog. Ansatz aus, der strikt zwischen dem Reich Gottes und dem Weltreich unterscheidet und eine Erneuerung der Kirche fordert. Die frühe dialekt. Theologie von Karl Barth, Emil Brunner und Eduard Thurneysen wurde wesentlich von ihm angeregt. K. gehört mit Leonhard Ragaz und Howard Eugster zu den führenden Persönlichkeiten des religiösen Sozialismus in der Schweiz. 1923 Dr. theol. h.c. der Univ. Zürich.

<b>Hermann Kutter</b><br>"Religiös-soziale Konferenz" in Degersheim, Oktober 1906 (Zentralbibliothek Zürich, Nachlass Hermann Kutter).<BR/>An der Degersheimer Konferenz wurde von jungen Pfarrern im kleinsten Kreis die "religiös-soziale Konferenz" ins Leben gerufen, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch sechsmal tagte. Das Gruppenfoto zeigt in der vorderen Reihe Hermann Kutter (links), den Reformpädagogen Johann Georg Hagmann und Leonhard Ragaz, hinten in der Mitte den Degersheimer Dorfpfarrer Hans Bader, flankiert von den Pfarrern Oskar Pfister (links) und Emanuel Tischhauser.<BR/>
"Religiös-soziale Konferenz" in Degersheim, Oktober 1906 (Zentralbibliothek Zürich, Nachlass Hermann Kutter).
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Literatur
– H. Kutter, jun., Hermann K.s Lebenswerk, 1965
– E. Buess, M. Mattmüller, Prophet. Sozialismus, 1986
TRE 20, 353-356
Encyclopédie du protestantisme, hg. P. Gisel, 1995, 840

Autorin/Autor: Thomas K. Kuhn