Schweizer Filmwochenschau

Eine erste S. bestand ab Sept. 1923. Sie wurde vom Lausanner Office cinématographique hergestellt, einem von Emile Taponnier, Jacques Béranger und Arthur-Adrien Porchet gegr. Unternehmen. Aufgrund der ausländ. Konkurrenz wurde die Produktion im März 1936 beendet.

Die offizielle S. fusste auf der 1938 gegr. Schweizer Filmkammer, von der sie kontrolliert wurde, und auf dem Vollmachtenbeschluss des Bundesrats vom 30.8.1939. Sie sollte ein Gegengewicht zur erdrückenden Präsenz nationalsozialist. und faschist. Nachrichten schaffen. Produktionsfirma war die Genfer Cinégram, wobei der Bund sich z.T. an den Kosten beteiligte. Am 16.4.1940 wurde die S. in allen Kinosälen der Schweiz als Vorprogramm für obligatorisch erklärt. Die erste Folge der unter militär. Zensur gestellten S. lief am 1.8.1940 in Bern. Während fünf bis acht Minuten wurde jede Woche in den drei Landessprachen eine Vielzahl von Themen (Landwirtschaft, eidg. Solidarität, humanitäre Einsätze), manchmal auch nur ein einziger Gegenstand behandelt, wobei sich die S. in den Dienst der Geistigen Landesverteidigung stellte. Als erster Redaktor wirkte Paul Alexis Ladame, auf den Hans Laemmel folgte, als einer der ersten Chefkameramänner Georges Alexath. Vom Jan. 1946 an war die Ausstrahlung nicht mehr obligatorisch, worauf die Westschweiz, dann die grossen Städte der Deutschschweiz ihr Abonnement nicht mehr erneuerten. Die S. ging langsam ein, obschon Max Dora 1973 ein Magazinformat einführte. Die Konkurrenz durch das Fernsehen und die Gegnerschaft eines Teils der Schweizer Filmszene führten schliesslich im März 1975 zur Einstellung. Die S. umfasst 9'000 Themenbeiträge, 1'650 Sendungen und 280'000 m Film.


Archive
– Schweizer Filmarchiv, Lausanne, Archiv der S.
Literatur
– B. Gasser, «Ciné-Journal suisse», in Travelling 53-54, 1978-79
– A. Cunéo, «Ciné-Journal suisse au Féminin», in Travelling 58, 1980
– R. Mazzola, La prima annata del Cinegiornale svizzero, Diss. Bologna, 1989 (franz. Zusammenfassung in Equinoxe 7, 1982, 81-98)
– L. Knubel, Images et représentation de la Suisse dans les actualités cinématographiques suisses de l'immédiat après-guerre (1945-1950), Liz. Freiburg, 1997

Autorin/Autor: Bernard Gasser / ASCH