09/04/2015 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Filmproduktion

Der in Westeuropa um 1900 entstandene Wirtschaftszweig der Filmwirtschaft lässt sich in Filmverleih (Film), Kino, filmtechn. Betriebe und F. gliedern. Letztere wird in der westl. Welt von US-amerikan. Produktionen aus Hollywood dominiert; doch die Schweizer F., deren populäre Blüte in den 1930er bis 50er Jahren lag, hat sich bis heute behaupten können. Produziert werden hauptsächlich Auftrags- und Spielfilme.

Die 1924 in Zürich von Lazar Wechsler gegründete Praesens Film AG ist das einzige Schweizer Unternehmen, das während Jahrzehnten erfolgreich Spielfilme produzierte. Die Firma stützte sich dabei auf ein eingespieltes Team - Leopold Lindtberg (Regie), Richard Schweizer (Drehbuch), Emil Berna (Kamera), Hermann Haller (Schnitt) und Robert Blum (Musik) -, auf eine eigene Verleihabteilung sowie auf die bekanntesten Schauspieler des Landes, die teilweise exklusiv bei der Praesens unter Vertrag standen. Werke wie "Füsilier Wipf" (1938), "Wachtmeister Studer" (1939), "Gilberte de Courgenay" (1941) oder "Unser Dorf" (1953) stehen beispielhaft für das Genre des damaligen sog. Schweizerfilms. Erst in den 1950er Jahren erwuchs der Praesens durch Firmen wie die Gloriafilm AG ernsthafte inländ. Konkurrenz. Gegen deren publikumswirksame Kleinbürgerkomödien (Regie Kurt Früh) hielt sich der Marktleader mit mehreren Gotthelf-Verfilmungen schadlos (Regie Franz Schnyder).

Auf dem Gebiet des Auftragsfilms, wo man sich nicht wie beim Spielfilm permanent einer ausländ. Übermacht zu erwehren hatte, waren die Schweizer Filmproduzenten bedeutend erfolgreicher, allen voran die 1947 von Heinrich Fueter gegründete Zürcher Condor Films AG. Aber auch die Kern Film AG (Basel), das Julius Pinschewer Film Atelier, die Paul Schmid Filmproduktion und Charles Zbinden (alle Bern), die Actua Films (Genf), Charles-Georges Duvanel (Lausanne und Genf), die Kägi Filmproduktion (Rümlang), die Cefi Filmproduktion AG, Joseph Dahinden, die Pro Film und die Turicia Film AG (alle Zürich) stellten regelmässig Dokumentar-, Kunst-, Werbe- oder sog. Beiprogrammfilme her. Dazu kamen Firmen, die sich auf Fernsehwerbung spezialisierten (Fernsehen) wie die Turnus Film AG (Volketswil), die Rincovision AG (Zofingen und Zürich), die Telespot AG und die Televico AG (beide Zürich).

Der weltweite Umbruch der Filmszene um die Mitte der 1960er Jahre veränderte auch in der Schweiz die Produktionsverhältnisse nachhaltig. Die aus dem Westschweizer Fernsehen hervorgegangene Groupe 5 mit Alain Tanner, Claude Goretta, Jean-Louis Roy, Michel Soutter und Jean-Jacques Lagrange produzierte mit minimalen Budgets (cinéma copain) zahlreiche Spielfilme, die den Ruf des neuen Schweizer Films begründeten. Parallel dazu entstand in der Deutschschweiz eine sozialkrit. Dokumentarfilmbewegung, deren Regisseure sich im Zeichen des Autorenkinos auch als Produzenten, Drehbuchautoren und gelegentlich sogar als Kameraleute und Cutter betätigten (Richard Dindo, Kurt Gloor, Peter von Gunten, Walter Marti und Reni Mertens, Fredi M. Murer, Hans-Ulrich Schlumpf, Alexander J. Seiler). Das wachsende finanzielle Engagement von Bund, Kantonen, Gemeinden und Kirchen sowie die Mitfinanzierung durch das Fernsehen liess die Schweizer F. in der Folge stark anwachsen, wenn auch die hohen Zuschauerzahlen des älteren Schweizer Films nur noch in Ausnahmefällen erreicht wurden, etwa mit dem Erfolgsfilm "Die Schweizermacher" von Rolf Lyssy (1978) oder "Ernstfall in Havanna" von Sabine Boss (2002).

Spätestens seit dem Aufkommen des neuen Mediums Video zu Beginn der 1980er Jahre kann nicht mehr von einer einheitl. Filmszene Schweiz gesprochen werden. Angesichts der Enge des einheim. Marktes wird seit den 1990er Jahren vermehrt mit ausländ. Partnern koproduziert, wie es die Fama Film (Bern) und die Vega Film (Zürich) praktizieren, oder ganz ausserhalb der Schweiz gedreht (Arthur Cohn).


Literatur
– W. Wider, F. Aeppli, Der Schweizer Film 1929-1964, 2 Bde., 1981
– M. Schaub, Die eigenen Angelegenheiten, 1983
– H. Dumont, Gesch. des Schweizer Films, 1987

Autorin/Autor: Felix Aeppli