15/08/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Telekommunikation

Der Begriff T. wurde 1904 von Edouard Estaunié in seinem "Traité pratique de télécommunication électrique" geprägt und 1934 in die engl. (International Telecommunication Union), franz. und ital. Namensform des Weltnachrichtenvereins, des Vorgängers der Internationalen Fernmeldeunion, übernommen. Im weiten Sinn ist T. - im Deutschen oft auch mit Nachrichten- oder Fernmeldewesen übersetzt - ein Sammelbegriff für alle Systeme der Fernübertragung von Nachrichten einschliesslich deren hist. Formen wie z.B. dem frühneuzeitl. System der Hochwachten. Im engeren Sinn bezeichnet T. die elektrische, drahtgebundene wie drahtlose Übertragung und Vermittlung von Nachrichten in Text, Sprache, Ton und Bild. Hierzu zählen v.a. Telegraf, Telefon, Radio, Fernsehen und die Datenkommunikation über Rechnernetze wie das Internet.

Die moderne T. begann in der Schweiz mit dem Aufbau des Telegrafennetzes in den frühen 1850er Jahren. In den frühen 1880er Jahren setzte der Bau des Telefonnetzes ein. Ab Anfang des 20. Jh. entwickelte sich das Feld der T. zunehmend dynamisch. In der Schweiz wurden 1922 sowohl der drahtlose Telegrammverkehr mit dem Ausland wie auch Radiotelefoniesender zur Flugsicherung eingerichtet, über die 1923 zudem erstmals Rundfunksendungen übertragen wurden. In den 1930er Jahren folgte der Aufbau der landesweiten Rundfunksender und der Kurzwellenanlagen für den internat. Verkehr. Zugleich erweiterte sich die drahtgebundene T. durch den Telefonrundspruch (ab 1931) und den Fernschreibedienst Telex (ab 1934).

In den 1950er Jahren gingen weitere Übertragungssysteme in Betrieb, so der UKW-Funk (Rundfunk, drahtlose und mobile Telekommunikationsdienste) und die Fernsehübertragung. Das Telefonnetz wurde durch Automatisierung, Richtfunk- und Kabelverbindungen ausgebaut, während sich die interkontinentale Vernetzung durch submarine Telefonkabel (seit 1956) sowie durch Satellitenverbindungen (seit 1965) intensivierte.

Kennzeichnend für die Entwicklung ab den 1960er Jahren war zum einen der enorme Bedeutungsgewinn der T.; sowohl die geschäftliche wie auch die private Nachfrage nach Anschlüssen, Diensten sowie Übertragungsleistungen stieg stark. Die Wachstumsbranche T. wurde zunehmend als ein Schlüsselsektor der entstehenden Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft wahrgenommen. Zum anderen zogen die informationstechn. Innovationen Umwälzungen in allen Bereichen der T. nach sich, die Techniken, Dienste und Netze ebenso wie die Rahmenbedingungen erfassten. Ab den 1960er Jahren verfolgten die Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT) und die Telekommunikationsindustrie, deren wichtigste Unternehmen sich 1987 in der Ascom zusammenschlossen, Konzepte der Digitalisierung, zunächst im 1983 sistierten Projekt des Integrierten Fernmeldesystems. 1989 wurde das digitale SwissNet eröffnet; parallel dazu wurde ab 1983 das Telepac-Netz zur Datenkommunikation betrieben. Digitalisierung und wachsende Bedürfnisse stimulierten zudem neue Dienste wie Telefax (1980) und das Bildschirmsystem Videotex (1987). Das dynam. Zusammenwachsen von Informations- und Kommunikationstechnik führte, zuerst im Bereich der Endgeräte, zu Kritik am staatl. Telekommunikationsmonopol, und förderte die schrittweise und 1998 schliesslich gänzl. Liberalisierung der T. Gestützt auf breitbandige Netze, u.a. auf Basis von Glasfasertechnik, ist die Integration vormals getrennter Netze und Dienste (z.B. Telefon, Internet und Fernsehen) seither weiter fortgeschritten; T. erscheint Anfang des 21. Jh. zunehmend als Teil eines übergreifenden Medien- und Kommunikationssektors.


Literatur
Hundert Jahre elektr. Nachrichtenwesen in der Schweiz, 1852-1952, 3 Bde., 1952-62
– R. Cop, Im Netz gefangen, 1993
– R. Trachsel, Ein halbes Jahrhundert T. in der Schweiz, 1993
Netze: Verkehr - T. - Energie, Ausstellungskat. Bern, 1997
Telemagie, 2002
– P. Ischer, Umbau der T., 2007

Autorin/Autor: Regine Buschauer