• <b>Plakat</b><br>Ansicht des offenen Saals des Gasthofs Drei Könige in Basel, gezeichnet 1753 von  Emanuel Büchel (Staatsarchiv Basel-Stadt, BILD Falk. A 67). Der Druck wurde vom Besitzer des Gasthofs als Werbeplakat benutzt.
  • <b>Plakat</b><br>"Sommer in Graubünden". Tourismusplakat von  Emil Cardinaux,   1909 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
  • <b>Plakat</b><br>Plakat für das Béjart Ballet von Lausanne von 1988, gestaltet vom Grafiker  Pierre Neumann (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Die Zusammenarbeit zwischen Grafikern und Fotografen prägt die Geschichte des Plakats von den 1920er Jahren an bis heute. Die für dieses Plakat benutzte Fotografie stammt von Christian Coigny.

Plakat

Seit der Erfindung des Buchdrucks wird das papierene P. als visuelles Kommunikationsmittel im öffentl. Raum zu Propaganda- oder Werbezwecken verwendet. Seine materielle und inhaltl. Kurzlebigkeit und seine informative Funktion erklären, warum sich nur wenige Untersuchungen mit dem P. befassten, bevor Künstler in der 2. Hälfte des 19. Jh. sich dem P. zuwandten. Fortan galt das P. als museumswürdig. Die lange Zeit wie Buchseiten gedruckten, kleinformatigen P.e waren vermutlich gleichzeitig zum Aushängen und Verteilen bestimmt. Bis zum Ende des Ancien Régime durfte nur die polit. und die kirchl. Obrigkeit P.e anschlagen. Öffentl. Bekanntmachungen, Aushebungsbefehle, Mandate oder Proklamationen waren vor allem typograf. Erzeugnisse, obschon der die Gestaltung und dekorative Elemente manchmal den Text untermalten. Noch im 19. Jh. hatte das P. fast ausschliesslich amtl. Charakter, da man es vorzog, direkt auf Mauern, Holzwände oder emaillierte Blechschilder zu malen.

<b>Plakat</b><br>Ansicht des offenen Saals des Gasthofs Drei Könige in Basel, gezeichnet 1753 von  Emanuel Büchel (Staatsarchiv Basel-Stadt, BILD Falk. A 67).<BR/>Der Druck wurde vom Besitzer des Gasthofs als Werbeplakat benutzt.<BR/>
Ansicht des offenen Saals des Gasthofs Drei Könige in Basel, gezeichnet 1753 von Emanuel Büchel (Staatsarchiv Basel-Stadt, BILD Falk. A 67).
(...)

Der Siegeszug des modernen, vom Bild dominierten P.s begann in den industrialisierten Gesellschaften um 1890 mit dem Aufkommen der Werbung und der Entwicklung von Reproduktionstechniken wie der Lithografie, der Chromolithografie und dann der Fotolithografie, die den Druck von Grossformaten in hoher Zahl ermöglichten, sowie mit der Reorganisation des öffentl. Raums. Kunstmaler spielten in diesem Prozess eine entscheidende Rolle. Schweizer Künstler waren am Aufbruch des P.s beteiligt, so Théophile Alexandre Steinlen und Eugène Grasset in Paris oder Karl Walser in Berlin. Ausländer wie Leonetto Cappiello, Charles Loupot und Cassandre trugen zum Durchbruch des Künstlerplakats in der Schweiz bei. Zunächst prägten Genfer und Waadtländer Künstler, die vom Maler Ferdinand Hodler und vom Grafiker Emil Cardinaux beeinflusst waren, die Anfänge des modernen P.s. Von den 1910er Jahren an wurde das Produktionszentrum wegen der Sogwirkung des Wirtschaftsmotors Zürich in die Deutschschweiz verlagert. Maler von Rang wie Burkhard Mangold, Cuno Amiet, Giovanni und Augusto Giacometti, Otto Baumberger und Niklaus Stoecklin liessen die formgebenden Strömungen der Avantgarde, vom Kubismus und der Dada-Bewegung mit Otto Morach bis zur Konkreten Kunst mit Max Bill, laufend in die Produktion neuer P.e einfliessen. In der Zwischenkriegszeit wirkten drei Veränderungen prägend: Grafiker wie Ernst Keller, Eric de Coulon und Jan Tschichold lösten die Maler ab, der Offsetdruck verdrängte die Lithografie und in der Werbung kam mit Walter Herdeg und Herbert Matter die Fotografie auf. Die Kunstgewerbeschulen von Zürich und Basel, danach jene von Genf, Lausanne und Bern sowie die Kunstgewerbeverbände - der Schweiz. Werkbund in der Deutschschweiz und L'Œuvre in der Westschweiz - taten sich zusammen, um das graf. Gewerbe der Schweiz zu fördern. Dieses verdankte seinen guten Ruf auch den Lithografiedruckern der ersten Stunde, etwa Trüb in Aarau, Wassermann in Basel, Wolfensberger in Zürich, Sonor in Genf sowie Marsens und Roth & Sauter in Lausanne. Ab 1941 wurden unter der Ägide des Eidg. Departements des Innern und der 1900 in Genf gegr. Allgemeinen P.-Gesellschaft (APG) die besten P.e des Jahres ausgezeichnet. Die APG, die über ein Quasimonopol im Bereich des öffentl. Raums verfügt, setzte ein Standardformat (entspricht dem Weltformat = 90,5 x 128 cm) durch. Im hist. Plakat finden sich sämtl. Bereiche, die im Alltag des 20. Jh. eine Rolle spielten, etwa Werbung, Sport, Kultur, Mode, Freizeit und Gesundheit. In der Schweiz sind hauptsächlich zwei Kategorien von P.en gut vertreten: Das Tourismusplakat, das in der Tradition der Druckgrafiken von Kleinmeistern steht, und das polit. P., das als Folge der halbdirekten Demokratie und der zahlreichen Volksabstimmungen entstand.

<b>Plakat</b><br>"Sommer in Graubünden". Tourismusplakat von  Emil Cardinaux,   1909 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>
"Sommer in Graubünden". Tourismusplakat von Emil Cardinaux, 1909 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
(...)
<b>Plakat</b><br>Plakat für das Béjart Ballet von Lausanne von 1988, gestaltet vom Grafiker  Pierre Neumann (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Die Zusammenarbeit zwischen Grafikern und Fotografen prägt die Geschichte des Plakats von den 1920er Jahren an bis heute. Die für dieses Plakat benutzte Fotografie stammt von Christian Coigny.<BR/>
Plakat für das Béjart Ballet von Lausanne von 1988, gestaltet vom Grafiker Pierre Neumann (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
(...)


Archive
– NB; BGE; BVCF; MFG; MHL; Museo del manifesto ticinese, Morcote; BPS
Literatur
– J. Meylan, Bürger zu den Urnen, 1979 (franz. 1977)
– B. Margadant, Das Schweizer P. 1900-1983, 1983 (dt., franz. und engl.)
Ferdinand Hodler und das Schweizer Künstlerplakat 1890-1920, Ausstellungskat. Zürich, Wien, Lausanne, 1984
– W. Rotzler, K. Wobmann, Polit. und soziale P.e der Schweiz, 1985 (dt., franz. und engl.)
– W. Rotzler et al., Das P. in der Schweiz, 1990
L'affiche en Suisse romande durant l'entre-deux-guerres, hg. von J.-C. Giroud, M. Schlup, 1994
– C. Stirniman, R. Thalmann, Weltformat: Basler Zeitgesch. im P., 2001
– B. Wyder, Walliser P.e, 2004
– J.-C. Giroud Les images d'un rêve: deux siècles d'affiches patriotiques suisses, 2005
Paradis à vendre: un siècle d'affiches touristiques suisses, hg. von J.-C. Giroud, M. Schlup, 2005
– R. Hollis, Schweizer Grafik: die Entwicklung eines internationalen Stils, 2006 (engl. 2006)
– R. Cavalli, 100 anni di manifesti ticinesi, 1-, 2008-

Autorin/Autor: Pierre Chessex / AHB