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Châtel-Saint-Denis (Gemeinde)

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Polit. Gem. FR, seit 1848 Hauptort des Bez. Veveyse, liegt am Ufer der Veveyse, an der Strecke Bulle-Vevey und umfasst das Ski- und Wandergebiet Les Paccots, Fruence und einige Weiler, bis 1806 auch Remaufens. Das weitläufige Gemeindegebiet (4'791 ha) weist eine typisch voralpine Landschaft mit Naturschutzgebieten wie dem Lac de Lussy und dem Lac des Joncs auf. 1850 2'339 Einw.; 1900 2'509; 1950 2'908; 1960 2'666; 1970 2'842; 1990 3'797; 2000 4'389.

1998 wurden in den Nähe des Lac de Lussy eine Fundstelle vom Ende des Paläolithikums und zwei aus dem Mesolithikum (C.-Pramontey 1 und 2) freigelegt. In C.-Lac de Lussy, der wichtigsten Grabung, wurde erstmals im Kt. Freiburg ein Werkzeug aus oolith. Kalkstein entdeckt, das mit jenen aus den Magdalénien-Fundplätzen in Moosseedorf-Moosbühl, Hauterive-Champréveyres (NE) sowie Neuenburg-Monruz vergleichbar und deshalb wohl in die Zeit um 13'500 v.Ch. zu datieren ist. Dieses Werkzeug ist das älteste menschl. Zeugnis, das bis heute auf Freiburger Gebiet gefunden wurde.

Nach dem Erwerb der Herrschaft Fruence 1296 gründete Amadeus V. von Savoyen C., das zum Zentrum der gleichnamigen Herrschaft wurde und den Flecken Fruence verdrängte, der zusehends verödete. Das Schloss, das die Neustadt überragte, wurde um 1305 fertiggestellt. Der Ort war mit 1336 von Aymo von Savoyen bestätigten Freiheiten ausgestattet, die denjenigen Moudons entsprachen. Trotz der idealen Lage an der Strecke zwischen dem Oberlauf der Broye und dem Genfersee inmitten eines urbar gemachten Gebiets entwickelte sich C. nur zögerlich; sein Markt erlangte lediglich regionale Bedeutung. Von 1384 an existierte eine Heiliggeistbruderschaft. Ab 1536 unterstand C. der Oberherrschaft Freiburgs; 1574-1798 war es Hauptort der Landvogtei, welche die vormalige Herrschaft ablöste. Im 18. Jh. profitierte das Städtchen an der Route du fromage vom wirtschaftl. Aufschwung und vom Handel zwischen dem Greyerz und dem Genferseegebiet. Der Aufstand gegen das Freiburger Patriziat fand auch in C. Anhänger, die 1780-84 die Gruppe um Pierre-Nicolas Chenaux unterstützten und sich dem Club helvétique anschlossen. 1798 nahm C. an der revolutionären Bewegung der Waadt teil. 1798-1848 war es Hauptort des gleichnamigen Bezirks, der an die Stelle der Landvogtei trat.

Die 1228 erstmals erwähnte Pfarrei beschränkt sich auf das Territorium der Herrschaft C. Die Kollatur gehörte bis zur Reformation dem Priorat Lutry. 1580 kam die Pfarrei ans Kapitel St. Nikolaus in Freiburg; Ende des 19. Jh. wurde sie dem Bischof der Diözese abgetreten. Die Kirche St. Dionys aus dem späten 13. Jh. wurde 1636 durch eine neue Kirche ersetzt, die 1787 umgestaltet wurde und dann einer Privatschule als Kapelle diente. Die aktuelle Kirche wurde 1872-75 von Adolphe Fraisse erbaut. Die Pfarrei besitzt mehrere Kapellen, so Saint-Roch mit einem Pestfriedhof (1655), Notre-Dame-du-Scex (1867), Saint-Blaise in Prayoud (1902) und Notre-Dame-des-Neiges in Les Paccots (1935).

Bevölkerungswachstum und das Fehlen von Industrie führten im 19. Jh. zu Auswanderungen nach Argentinien, z.B. in die Schweizer Kolonie in Baradero. Nur zögerlich siedelten sich zu Beginn des 20. Jh. einige industrielle Betriebe an, die Rohrmöbel, Korbwaren, Zigarren und Milchpulver herstellten. Letztere Fabrik verlegte 1914 die Produktion nach Vuadens. Die Brüder Genoud errichteten 1898 ein Elektrizitätswerk. 1960 kamen kleinere Unternehmen aus verschiedenen Branchen hinzu (Textil und Bekleidung, Metallstoffe, Verschalungen, Laminate, Isoliermaterialien). Die Freigabe der A12 1980 und die Ausscheidung einer grossflächigen Industriezone waren die Voraussetzungen für die Niederlassung neuer Firmen (Metallbau, Elektronik, Abfallverarbeitung, Maschinen, medizin. Produkte, Sanitärartikel). Der Tourismus setzte 1856 mit der Eröffnung der Bäder ein und erlebte Anfang des 20. Jh. seinen Höhepunkt, als die schmalspurigen Eisenbahnstrecken Palézieux-C.-Bulle (1901) und Vevey-C. (1904) in Betrieb genommen wurden; letztere wurde 1970 durch eine Buslinie ersetzt. Ergänzend zu den tourist. Attraktionen des Genferseegebiets bietet Les Paccots gute Ski- und Wandermöglichkeiten. Die erste Liftanlage, die dritte in der Westschweiz, wurde 1938 errichtet. In den 1960er Jahren wurde die Infrastruktur der Station ausgebaut. Die Landwirtschaft ist v.a. auf die Viehzucht ausgerichtet. Die 1922 gegründete Société des laiteries châteloises réunies produziert Greyerzer Käse sowie Freiburger Vacherin und beliefert die Industrie. Mehr als ein Viertel des Gemeindegebiets ist bewaldet. Die Produktion von Wagen, Kisten und Holzwolle wurde eingestellt, die Sägereien, Zimmereien und Tischlereien zu industriellen Betrieben aufgerüstet. Andere dem Baugewerbe nahe Geschäfte machten ähnliche Entwicklungen durch.

Das 1873 errichtete Hospiz für Pfründner, Waisen und bedürftige Kinder wurde 1979 in ein medizinisch voll ausgestattetes Heim umgebaut. Das 1892 von Victor Monney gegründete Krankenhaus war anfänglich Mitgliedern der Kirchgemeinde C. vorbehalten, später stand es den Einwohnern des gesamten Bezirks offen. Eine gemischte Schule ist 1687 bezeugt. Von 1739 an wurde eine reine Mädchenklasse geführt, eine Lateinklasse bestand seit 1760. Pfarrer Déglise eröffnete 1803 eine Lateinschule für Knaben, die der Vorbereitung auf weiterführende Schulen diente. 1876 wurde eine Sekundarschule und 1973 eine Orientierungsstufe für den gesamten Bezirk eingerichtet.


Literatur
– A. Genoud, C., hier et aujourd'hui, 1972
La Veveyse, une terre ... des hommes, 1980
– L. Pedrini, C. (Saint-Denis de Fruence): une "villa nova" de la fin du XIIIe siècle, Liz. Lausanne, 1989
– J.P. Anderegg et al., 700 ans C.,1997
JbSGUF 82, 1999, 248; 83, 2000, 195
– J.-L. Boissaubert et al., «Premiers indices d'une occupation magdalénienne de la Veveyse», in Cahier d'archéologie fribourgeoise 1, 1999, 14-19

Autorin/Autor: Jean-Claude Vial / AL