27/11/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 7

Haller, Berchtold

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geboren 1494 (1490?) Aldingen (Württemberg),gestorben 25.2.1536 Bern, bäuerl. Herkunft. ∞ 1529 Apollonia vom Graben, vielleicht unehel. Tochter des Pierre du Terreaux. Schulen in Rottweil und mit Philipp Melanchthon und Simon Grynaeus in Pforzheim, 1511 Baccalaureus artium in Köln. 1513 in Bern Gehilfe an der Lateinschule, 1520 Leutpriester am Münster und Chorherr. H.s Bedeutung für die Berner Reformation besteht in der glaubwürdigen, beharrl. und umsichtigen Art, mit der er die Impulse aufnahm und vertrat, die die Aarestadt aus Wittenberg, Zürich und Oberdeutschland erreichten. H. fand lange Zeit wenig Unterstützung. Er war, auch weil er um seine mangelnde Bildung wusste, für Rat und Hilfe empfänglich. Nach dem Vorbild seines Freundes Huldrych Zwingli ging er 1523 zur fortlaufenden Schriftauslegung (lectio continua) über. 1526 nahm er an der Badener Disputation teil, liess sich aber von Johannes Eck in der Frage der Realpräsenz nicht in die Karten blicken; in Bern hingegen entband man ihn vom Messdienst und schuf für ihn eine persönl. Prädikatur. Für die Disputation von 1528 formulierte H. mit Franz Kolb im Geiste Zwinglis zehn Thesen. In den Konflikten mit den Täufern und den kath. Orten wie im Oberländer Aufstand nahm er, ohne die Differenzen zu verwischen, eine moderate Haltung ein. Der Aufbau des reformierten bern. Kirchenwesens ist v.a. sein Verdienst, wobei er auf die Hilfe Zürichs (Kirchenordnung) und Strassburgs (Berner Synodus) zählen konnte. 1532 wurde H. oberster Dekan. Neben seinen vielfältigen Pflichten pflegte er enge Kontakte zur Reformation im Westen (Guillaume Farel) und Osten (Heinrich Bullinger) der Eidgenossenschaft. Sein Versuch, Solothurn für die Reformation zu gewinnen, scheiterte 1530.


Literatur
TRE 14, 393-395
Der Berner Synodus von 1532, hg. von G.W. Locher, Bd. 2, 1988, 374-376, 450 f.
Berchtold H., 1494-1536, 1994

Autorin/Autor: Rudolf Dellsperger