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Comander, Johannes

geboren um 1485 (Johannes Dorfmann) Maienfeld,gestorben anfangs 1557 Chur. Der Vater war vielleicht Hutmacher. C. besuchte zusammen mit Vadian die städt. Lateinschule in St. Gallen. Ab 1502 studierte er in Basel, wo er Zwingli kennen lernte. Er war zuerst Priester, u.a. Pfarrvikar in Escholzmatt. 1523 erfolgte seine Berufung an die städt. Hauptkirche St. Martin in Chur. Hier begann C. mit der Verkündigung der Reformation, die sich bis 1527 in Chur (mit Ausnahme des bischöfl. Hofs) durchsetzte. C. wurde so zum Hauptreformator Churs und eines grossen Teils Graubündens. Seine Hauptgehilfen waren zuerst der städt. Schulmeister Jakob Salzmann (gestorben 1526), dann (1530-50) Johannes Blasius. C. war auch der Hauptredner am bedeutenden Ilanzer Religionsgespräch (Ilanzer Artikel) von 1526. Er verfasste für diesen Anlass 18 Thesen, die auf Zwinglis 67 Schlussreden von 1523 zurückgingen und als Vorlage für die Berner Thesen von 1528 dienten. Zusammen mit Blasius und anderen Gleichgesinnten setzte er 1538-39 die Umwandlung des Dominikanerklosters St. Nikolai in Chur in eine Lateinschule des Gotteshausbundes durch. Auf sein Begehren gestattete der Bundstag der Drei Bünde 1537 die Gründung der Evang.-rät. Synode. 1545 verfasste C. für Chur eine Kirchenordnung, und 1553 wurde die von ihm und Philipp Gallicius, dem Nachfolger von Blasius zu St. Regula, verfasste "Confessio Raetica" von der Synode in Kraft gesetzt. Der von ihm und Blasius herausgegebene Katechismus ist nur noch in der 1552 in Poschiavo gedruckten rätorom. Übersetzung des Oberengadiner Reformators Jachiam Bifrun erhalten. Als Anhänger Zwinglis vertrat C. dessen Abendmahlslehre und bekämpfte die Täufer. Auch war er ein Gegner der Soldbündnisse. Seine Hauptkorrespondenten und zugleich Hauptberater waren Zwingli und Heinrich Bullinger in Zürich sowie Vadian in St. Gallen.


Quellen
Zwinglis Briefwechsel, 5 Bde., 1911-35
Bullingers Korrespondenz mit den Graubündnern 1, hg. von T. Schiess, 1904
Literatur
– W. Jenny, Johannes C., 2 Bde., 1969-70
– C. Bonorand, Vadian und Graubünden, 1991

Autorin/Autor: Conradin Bonorand