Institut Jean-Jacques Rousseau

1912 gründete Edouard Claparède, Nachfolger von Théodore Flournoy als Leiter des Laboratoriums für Psychologie an der naturwissenschaftl. Fakultät, in Genf eine ausseruniversitäre Schule der Erziehungswissenschaften, die als I. bezeichnet wird. Mit dessen Leitung betraute er den Philosophen Pierre Bovet. Jean Piaget, der 1921 an das Institut berufen wurde, revolutionierte die kinderpsycholog. Forschung. Der 1925 angestellte Robert Dottrens leitete 1930 die Beteiligung des Instituts an der Ausbildung der Genfer Lehrkräfte in die Wege. 1929-30 gelang es Piaget und Dottrens, das Institut unter der Bezeichnung Institut für Erziehungswissenschaften in die philosoph. Fakultät einzugliedern. Ab 1933 leiteten Bovet und Piaget das Institut gemeinsam. 1948 wurde das I. interfakultär und umfasste zwei getrennte Abteilungen. Die pädagog. Abteilung wurde nacheinander von Robert Dottrens, Samuel Roller und Laurent Pauli geleitet. Piaget stand der psycholog. Abteilung, der er zu grosser Bedeutung verhalf, vor. 1955 errichtete er das Internat. Zentrum für genet. Epistemologie (Erkenntnistheorie), das von Gelehrten aus aller Welt besucht wurde. 1969 wurde das Institut in den Rang einer Schule erhoben und direkt dem Rektorat der Universität angegliedert. 1971 - als Piaget in den Ruhestand trat - beauftragte die Universität den Amerikaner Michael Huberman mit der erneuten Gründung einer pädagog. Abteilung. 1975 wurden die beiden Abteilungen zur siebten Fakultät der Univ. Genf, der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften, zusammengefasst.


Archive
– Archiv I., Genf
Literatur
– P. Bovet, Vingt ans de vie, 1932
– J. Piaget, «L'Institut des sciences de l'éducation (I.) de 1912 à 1956», in Histoire de l'Université de Genève 4, Anhang, 1959, 307-316
– M. Marcacci, Histoire de l'Université de Genève, 1987
La Faculté de psychologie et des sciences de l'éducation, 2005

Autorin/Autor: Daniel Hameline / GL