Attalens

Polit. Gem. FR, Bez. Veveyse, an der Strasse Vevey-Palézieux. 867 Haltningum. 1453 ca. 80 Feuerstätten; 1811 618 Einw.; 1850 867; 1900 1'198; 1950 1'096; 1960 1'023; 1980 1'337; 2000 2'252. In den Überresten eines röm. Gutshofs Gräberfeld aus dem 6. bis 8. Jh. 867 in einer Schenkung Kg. Lothars II. erstmals erw., war A. im 11. Jh. ein Allod der Abtei Saint-Maurice. 1068 verlieh das Kloster A. der Gemahlin des Kastvogts Otto. In der Folgezeit unterstand A. dem Adelsgeschlecht d'Oron, das hier um 1200 eine Burg errichtete. Die Geschicke von A. waren oft mit der benachbarten Burg Bossonnens verbunden. Die Pfarrei A. ist 1166 erstmals erw. (rom. Kirche mit Marienpatrozinium). Im Nov. 1475 bemächtigte sich ein Freiburger Kontingent des Dorfes und äscherte es ein. Im Frieden von Freiburg (1476) wurde A. aber dem Hzg. von Savoyen als Landesherrn zurückerstattet. 1523 verkaufte Karl III. von Savoyen die Burg A. dem Domkapitel von Lausanne. 1531 übertrug er sein Rückkaufsrecht an Charles de Challant, der so Herr von A. wurde. Bei der Eroberung der Waadt besetzten die Freiburger A. im Febr. 1536. Die Stadt Freiburg wurde Landesherrin, kaufte die Herrschaft A. 1556 ein erstes Mal den de Challant ab, um sie ihnen 1558 wieder zu verkaufen, erwarb sie 1615 aber endgültig und erhob sie zur Vogtei, die 1618 mit jener von Bossonnens zusammengelegt wurde. 1798-1848 gehörte A. zum Distrikt Châtel-Saint-Denis. Die Burg A. wurde 1804 vom Kt. Freiburg der Gem. A. verkauft. 1882 gelangte sie durch Kauf an die Pfarrgem., die darin ein Spital einrichtete. 1968 kam sie wieder in Privatbesitz. Das zum Alters- und Pflegeheim umgestaltete Spital wurde anderweitig untergebracht. Die alte Kirche wich 1860 einem der Himmelfahrt Mariä geweihten Neubau. Vom letzten Drittel des 19. Jh. bis in die 1960er Jahre wurden die Sandsteinbrüche von A. v.a. zur Gewinnung von Pflastersteinen genutzt. In der 2. Hälfte des 19. Jh. betrieben die Gebr. Savoy eine Orgelbau-Werkstatt. Anfangs des 20. Jh. belieferten vier Molkereien die Fabrik Nestlé in Vevey. Das Bevölkerungswachstum seit 1960 ist auf die Anziehungskraft von Vevey und Lausanne zurückzuführen, aber auch auf den Arbeitsplätzezuwachs in der Gem. (1960-80 20%). 1990 arbeiteten 43% der in A. Erwerbstätigen im 2. Sektor, viele der 64% Wegpendler in der Region Lausanne.


Literatur
– B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978, 28-34
– R. Chevalley, A., un coin de pays à part, 1981

Autorin/Autor: Jean-François Steiert / EB