Akademien (Höhere Schulen)

Als A. bezeichnet man die in den ref. Städten der Schweiz im 16. Jh. gegr. höheren Unterrichtsstätten. Die Erste entstand 1525 in Zürich; sie wurde zuerst Prophezey, später Carolinum genannt. Bern errichtete 1528 eine Hohe Schule, Lausanne folgte 1537, während in Genf das Collège (Progymnasium) und die A. 1559 gegr. wurden. Der Typus der A. beeinflusste den Protestantismus europaweit; es entstanden A. in Frankreich, Polen und Ungarn. Alle diese Schulen verfolgten dasselbe Ziel und hatten vergleichbare Strukturen: Sie dienten der Ausbildung von Pfarrern und Magistraten in den klass. Sprachen, der Philosophie und der Theologie.

Der Begriff A. wurde im 18. Jh. allg. gebräuchl. (mit Ausnahme von Zürich), als sich die A. dem Unterricht der Naturwiss. und des Rechts öffneten. Sie glichen nun in manchem den Universitäten, vergaben aber keine akadem. Grade, entbehrten gewisser Fakultäten (z.B. der Medizin) und wiesen stärker vereinheitlichte Studiengänge auf. Im 19. Jh. passten sie sich in Struktur und Namen dem neuen Universitätsmodell an, das der theoret. und experimentellen Forschung mehr Platz einräumte. Diese Veränderungen (Abtrennung des gymnasialen Unterrichts, Schaffung von Fakultäten und Lehrstühlen, Errichtung von Laboratorien etc.) erfolgten entsprechend den lokalen Gegebenheiten. Sie entsprangen in den regenerierten Kt. insbes. dem Willen der neuen polit. Eliten, welche Bildung und Wiss. institutionell zu stärken suchten. So führte die liberal-radikale Umwälzung zur Gründung der Univ. in Zürich (1833) und Bern (1834). In der franz. Schweiz fand dieser Wandel -- gleichzeitig mit der Eingliederung der Medizin. Fakultäten -- später statt: in Genf 1873, in Lausanne 1890. Die 1838 in Neuenburg gegr. A. wurde 1848 geschlossen, 1866 wieder eröffnet und 1909 zur Univ. erweitert.


Literatur
– U. Im Hof, «Bildungsgesch. am Beispiel der Hochschulen», in Geschichtsforschung in der Schweiz, 1992, 214-219

Autorin/Autor: Marco Marcacci / BZ