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Ueberstorf

Polit. Gem. FR, Sensebez., im Nordosten des Kantons an der Strasse Flamatt-Schwarzenburg gelegen und zu zwei Dritteln an den Kt. Bern grenzend. Zu U. mit den zwei Siedlungskernen rund um die Kirche sowie im Unterdorf gehören zahlreiche Streuweiler. 1226 Jeberinsdorf, 1228 Ibristorf. 1445 196 Einw.; 1668 483; 1811 801; 1850 1'163; 1900 1'515; 1950 1'721; 2000 2'115. Alemann. Siedlung zwischen dem 7. und 9. Jh. U. gelangte 1442 mit zahlreichen thierstein. Lehen, Rechten und Besitzungen an die Stadt Freiburg. Bis 1798 bildete es einen Teil der Alten Landschaft. Das Patronatsrecht der Pfarrkirche Johannes Baptist kam 1226 an die Deutschordenskommende Köniz, ging 1485 an das Stift St. Vinzenz in Bern und nach dessen Aufhebung 1528 an die Stadt Bern. 1889 gelangte es durch Bundesgerichtsentscheid an den Kt. Freiburg. U. wurde 1831 eine eigene polit. Gemeinde. Bedingt durch die bern.-ref. Zuwanderung ab Beginn des 19. Jh. war um 1880 fast die Hälfte der Einwohner reformiert. Die Gründung der ersten ref. Diasporaschule im Sensegebiet erfolgte 1834 in Obermettlen. Das Ortsbild prägen das 1505 durch Dietrich von Englisberg im Renaissancestil erbaute Englisbergschloss, das älteste noch erhaltene Schloss des Kantons, das Ratzé-Schloss vom Ende des 17. Jh. und das um die Mitte des 18. Jh. entstandene Techtermannhaus. In den 1950er und 60er Jahren ging die Einwohnerzahl infolge mangelnder Arbeitsplätze und Abwanderung zurück, nahm aber in den 1970er Jahren wegen der guten Verkehrserschliessung und der Nähe zu Bern bei gleichzeitig ruhiger Lage und intakter Natur wieder zu. Nebst der stark verankerten Landwirtschaft liessen sich am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jh. mehrere Gewerbebetriebe nieder.


Literatur
– S. Gapany-Moser, «Die Siedlungs- und Flurnamen der Gem. U. im Kt. Freiburg», in FGB 57, 1970/71, 74-152
– M. Boschung, B. Hayoz, Überstorf, 21996
Sensebez.: 1848-1998, 1998

Autorin/Autor: Moritz Boschung