Tafers

Polit. Gem. FR, Sensebez. Zur Gem. gehören neben dem Bezirkshauptort T. der Weiler Rohr und das Quartier Klein-Schönberg, das direkt an die Stadt Freiburg grenzt; im Süden stösst die Gem. an den Galterngraben. 1150 Tabernis, franz. Tavel. 1811 411 Einw.; 1850 589; 1900 964; 1950 1'570; 2000 2'627. Drei Grabhügel aus der Hallstattzeit sind unerforscht. Im Ortsteil Bruchmatt trat in den Ruinen einer galloröm. Siedlung eine frühma. Nekropole zutage. Gemäss einer alten Hypothese führte eine römerzeitl. oder eine fränk. Verbindung zwischen Avenches und Thun durch das Gebiet von T. Bis 1831 gehörte T. zum Aupanner der Alten Landschaft Freiburg. Das Gebiet der Grosspfarrei T. umfasste ausser der heutigen Gem. (Bodenschrot) auch Alterswil (Juchschrot), Heitenried, St. Antoni (Schrickschrot) und St. Ursen (Ennet-dem-Bach-Schrot). Auch das rechte Saaneufer zwischen Marly und Düdingen gehörte dazu, ehe die Stadt Freiburg T. allmählich von dort verdrängte. Die Dorfschaft T. verwaltete Allmenden und Wälder. Die vollständig erhaltene Satzung datiert von 1809.

Die 1148 erstmals erw. Kirche mit dem Martinspatrozinium dürfte in fränk. Zeit entstanden sein. Der ehemals rom. Kirchenbau, von dem Überreste ergraben wurden, entwickelte sich zur Mutterkirche des mittleren und oberen Senselands. Der Turm der heutigen Kirche stammt aus dem 12.-13. Jh., der Chor wurde 1530-54 neu errichtet, das Kirchenschiff mit Malereien von Gottfried Locher 1786-89. Die Kirche wurde 1897 renoviert und 1964-65 erweitert. Die benachbarte Jakobskapelle ersetzte 1769 ein älteres Gotteshaus der St. Jakobsbruderschaft. Sie ist mit einem Bildzyklus zu einer Legende der Wallfahrt nach Santiago de Compostela ausgeschmückt. 1511 wurde das Freiburger Mattenquartier von der Pfarrei T. abgetrennt, Ende des 16. Jh. Rechthalten und Heitenried, 1872 Bürglen, 1894 Alterswil und St. Antoni sowie 1901 St. Ursen. Auf dem Gebiet der Pfarrei befinden sich u.a. die Kapellen St. Peter und Paul auf Maggenberg (16. Jh.), St. Michael auf dem Friedhof (1753) und Maria-Himmelfahrt beim Herrensitz Menziswil (um 1780).

1831 entstand mit der Abtrennung der drei anderen Schrote von T. bzw. vom Bodenschrot die polit. Gemeinde T. Ab 1803 gehörte die Gem. zum Bez. Freiburg, ab 1831 zum Dt. Bezirk. Die Bürger- und Güterteilung erfolgte bis gegen Ende des 19. Jh. 1848 wurde T. mit der Schaffung des Sensebezirks Bezirkshauptort. Die Gem. und die Pfarrei mussten die nötige Infrastruktur zuerst erstellen. Erst nach Jahrzehnten wurden diese Einrichtungen teilweise vom Kanton übernommen, so 1960 das 1886 eröffnete Bezirksspital. Auf Initiative und mit Unterstützung der Schwestern Marie und Ernestine Surbeck kamen gegen Ende des 19. Jh. die Vinzenzschwestern nach T., welche Spitäler (das Haus des hl. Vinzenz von Paul, später Bezirksspital), ein Kinderheim und ein Waisenhaus, eine Primar- und eine Sekundarschule sowie ein Mädchenpensionat gründeten und jahrzehntelang betreuten. In der 2. Hälfte des 20. Jh. siedelte sich in T. etwas Industrie an.

Im sog. Sigristenhaus, das im Stil der Sensler Holzarchitektur 1780 erbaut wurde und von der Restauration bis in die 1840er Jahre auch eine Schule beherbergte, ist seit 1975 das Sensler Museum untergebracht. Im Maggenbergholz sind noch Reste des ersten Sitzes des im 12. und 13. Jh. in Freiburg einflussreichen Geschlechts der von Maggenberg sichtbar. In der 1. Hälfte des 17. Jh. entstand der Herrensitz Maggenberg. Hier wohnten die Schwestern Surbeck, die sich auch um die Ortsentwicklung von T. in der 2. Hälfte des 19. Jh. bleibende Verdienste erwarben.


Literatur
– J. Aebischer, Gedenkschr. zum 100jährigen Bestehen des Bezirksspitals St. Josef, T., [1970]
T. im Senseland, 1984
– M. Boschung, Die Maggenberger und ihre Burgen, 1995
– P.F. Kopp, «Ludwig von Surbeck / Mathilde von Diesbach - eine adelige Liebesgeschichte», in JbSolG 80, 2007, 279-310

Autorin/Autor: Peter F. Kopp