Bezirk [Amt, Amtsbezirk]

In Schweizer Kantonen Bezeichnung für dezentrale Zwischeninstanzen staatl. Aufsicht und Vollzugs auf einer mittleren Ebene zwischen der Staatsregierung und den Gemeinden. Mit wenigen Ausnahmen sind die kant. B.e reine Verwaltungs- und Gerichtseinheiten sowie Wahlkreise ohne Autonomie. Ihre Behörden sind in die Hierarchie des kant. Behördensystems eingegliedert (Kantonsverfassungen). In den Kt. Graubünden, Thurgau, Tessin und Waadt sind die B.e weiter in Kreise unterteilt. Der Begriff Amt war vom MA an für Verwaltungs- und Gerichtskreise der Grundherrschaft und später auch der Landesherrschaft verbreitet, während B.e in der Verwaltungssprache des 16.-18. Jh. allgemein Gebietseinheiten (z.B. Zehnt-, Steuerbezirke) bezeichneten.

Mit dem Zusammenbruch der alten Ordnung 1798 fielen in der Schweiz die bis dahin geltenden Bezeichnungen für mittlere Verwaltungs- und Gerichtskreise der Landesverwaltung (Vogteien) dahin. Die helvet. Verfassung brachte neu die Unterteilung der Helvet. Republik in Kantone und Distrikte nach franz. Vorbild. Während in den West- und Südschweizer Kt. Waadt, Tessin und Freiburg (im deutschsprachigen Teil als B.e bezeichnet) die Gebietsunterteilung in Distrikte 1803 bestehen blieb, ersetzten die Kantone der Deutschschweiz das aufgezwungene Wort Distrikt durch die vertrauten älteren Bezeichnungen Amt oder B. So entschieden sich 1803 Luzern für Amt, Solothurn für Amtei (heute Oberamt bzw. Amtei mit jeweils zwei B.en), Bern für Amtsbezirk (bis 1831 auch als Oberamt bezeichnet), die Kt. Zürich (in der Restaurationszeit 1814-31 Oberämter), Schwyz, Basel, Schaffhausen, St. Gallen (2003 durch Regionen bzw. Wahlkreise ersetzt), Aargau und Thurgau für B. Vorrevolutionäre Bezeichnungen wurden wieder eingeführt bzw. hielten sich im Wallis (Zenden bzw. dizains 1815-48), in Neuenburg (Mairie bis 1848), in Graubünden (Hochgericht bis 1854) sowie in den französischsprachigen Gebieten des Kt. Bern (bailliages 1815-31).

Die kleinflächigen Kt. Uri, Ob- und Nidwalden, Glarus, Zug, Basel-Stadt, Appenzell Ausserrhoden und Genf kennen keine mittlere Verwaltungsebene (mehr). Die B.e Appenzell Innerrhodens entsprechen in ihren Funktionen eher polit. Gemeinden, während jene in Schwyz zugleich öffentl. Korporationen mit eigener Rechtspersönlichkeit darstellen. Korporativen Charakter hatten bzw. haben auch die B.e in Uri und Nidwalden.


Literatur
– E. His, Gesch. des neuern Schweiz. Staatsrechts 2, 1929, 676 f.; 3, 1938, 942 f.
– Z. Giacometti, Das Staatsrecht der schweiz. Kantone, 1941 (Nachdr. 1979)
– F. Walter, «Echec à la départementalisation», in SZG 40, 1990, 67-85

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler