• <b>Schönenberg (ZH)</b><br>Kirche, Pfarrhaus und Befestigung von Norden. Lavierte Tintenzeichnung des sechzehnjährigen  Johann Heinrich Meister,   1716 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Nachdem Schwyzer Truppen im Ersten Villmergerkrieg brandschatzend in die Landvogtei Wädenswil eingedrungen waren, schützte der Zürcher Rat sein südliches Grenzgebiet mit Stützpunkten wie dem Kirchen- und Pfarrhauskomplex Schönenberg von 1703. Kirche und Pfarrhaus (am rechten Bildrand) bilden die Eckpunkte der Festung, die Friedhofsmauer weist Schiessscharten auf. Im Mauergeviert liegen der barocke Pfarrgarten sowie der im zürcherisch-reformierten Sinn völlig schmuck- und zeichenlose Gottesacker.

Schönenberg (ZH)

Polit. Gem. ZH, Bez. Horgen. Streusiedlung mit über 70 Höfen, Weilern und Quartieren auf einem Ausläufer der Zimmerbergkette. 1637 Geissferen, 1703 Schönenberg. 1799 1'238 Einw.; 1836 1'432; 1850 1'468; 1900 1'135; 1910 1'074; 1950 1'211; 1980 1'350; 2000 1'800. Rodung und Landnahme setzten wahrscheinlich erst im HochMA ein. In einem Güterrodel des Klosters Wettingen werden um 1270 erstmals die Höfe Nussbäumen, Aesch, Schwarzenbach, Rechberg, Stollen und Wolfbühl erwähnt, 1316 überdies der Hof Mülistalden. Zu Letzterem gehörte vermutlich die 1434 bezeugte Mühle, die 1893 stillgelegt wurde. Bis 1798 zählte das Gebiet der heutigen polit. Gemeinde zur Herrschaft Wädenswil und zur Gem. Wädenswil bzw. Wädenswiler Berg. Nach handfestem Streit mit den Dorfleuten von Wädenswil konnten die Bewohner des oberen Wädenswiler Bergs Ende des 17. Jh. an einer Weggabelung im Geissferen eine Kirche und ein Pfarrhaus bauen, die mit einer massiven Mauer befestigt wurden und so als behelfsmässiger militär. Stützpunkt an der Grenze zur kath. Innerschweiz dienten. Als 1703 das Gotteshaus eingeweiht wurde, taucht erstmals der Name S. auf. Der Zürcher Rat teilte 23 Höfe von Wädenswil, 13 von Richterswil sowie 6 von Hirzel der neuen Kirchgemeinde S. zu. 1784 trennten Wädenswil und S. ihr bis dahin gemeinsames Armengut. In der Helvetik wurde S. eine polit. Gemeinde; die wegen eines Rechtsstreits verzögerte Güterausscheidung vollzogen die beiden Körperschaften allerdings erst 1813.

<b>Schönenberg (ZH)</b><br>Kirche, Pfarrhaus und Befestigung von Norden. Lavierte Tintenzeichnung des sechzehnjährigen  Johann Heinrich Meister,   1716 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Nachdem Schwyzer Truppen im Ersten Villmergerkrieg brandschatzend in die Landvogtei Wädenswil eingedrungen waren, schützte der Zürcher Rat sein südliches Grenzgebiet mit Stützpunkten wie dem Kirchen- und Pfarrhauskomplex Schönenberg von 1703. Kirche und Pfarrhaus (am rechten Bildrand) bilden die Eckpunkte der Festung, die Friedhofsmauer weist Schiessscharten auf. Im Mauergeviert liegen der barocke Pfarrgarten sowie der im zürcherisch-reformierten Sinn völlig schmuck- und zeichenlose Gottesacker.<BR/>
Kirche, Pfarrhaus und Befestigung von Norden. Lavierte Tintenzeichnung des sechzehnjährigen Johann Heinrich Meister, 1716 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Im SpätMA wurde der Ackerbau in Egertenwirtschaft betrieben. 1787-1910 ging die Ackerfläche von 113 ha auf 22 ha zurück, bis 1960 stieg sie dann wieder auf 53 ha. 1772 wurden bereits 53 Jucharten Kartoffeln angebaut. Ebenfalls im 18. Jh. erlebte die Viehzucht einen grossen Aufschwung; Ende des Jahrhunderts produzierten 42 Sennereien Käse und Butter. 1787 waren 38% der Bevölkerung in der Baumwollspinnerei beschäftigt; zudem wurden 63 Webstühle gezählt. In der 1. Hälfte des 19. Jh. kam das Seidengewerbe auf (1850 155 Weber). Der anschliessende Niedergang der textilen Heimindustrie führte zu einer Bevölkerungsabnahme.

Das 1844 eröffnete Armenhaus Stollenweid diente ab den 1930er Jahren als Bürgerasyl. 1958 erfolgten sein Abbruch und der Bau eines Altersheims an selbem Ort. 1841-43 wurde die Strassenverbindung von Wädenswil über S. bis zur Finsterseebrugg an der Kantonsgrenze zu Zug ausgebaut. Die 1871 eingerichtete Postkutschenverbindung wurde 1922 durch Autobuskurse nach Wädenswil und Horgen ersetzt. Das Sihlkraftwerk Waldhalden nahm 1895 die Stromproduktion auf. Die 1922 errichtete kath. Kirche der neu gegr. Pfarrei S.-Hütten wich 1984-85 einem Neubau. Um die ref. Kirche entwickelte sich ein sekundärer Dorfkern, der Wohnhäuser sowie verschiedene öffentl. Einrichtungen (1948 Gemeindehaus, 1950 Schulhaus, 1971 Post, 1984 Mehrzweckgebäude Dorfhuus) umfasst. Im Sog der 1967 eröffneten Autobahn A3 entstanden mehrere Einfamilienhausquartiere. 2005 stellte der 1. Sektor noch immer 33% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– P. Ziegler, S., 1985

Autorin/Autor: Martin Illi