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Oberaargau

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Region in der Nordostecke des Kt. Bern. Geografisch dehnt sich der O. im tieferen und höheren Mittelland zwischen Napf und Jura aus. Er reicht von Burgdorf nordwärts über die Aare hinweg mit dem Bipperamt bis auf die südl. Jurakette und erstreckt sich von den Bächen Rot und Murg im Osten bis zur Emme im Westen. Politisch umfasst er die Amtsbez. Aarwangen und Wangen als Kerngebiet sowie teilweise die Amtsbez. Burgdorf und Fraubrunnen.

Der Begriff O. erscheint in Urkunden des HochMA ab 861 anfangs als "Oberer Aargau" (861 in superiori pago Aragauginse, 891 in superiore Argowe usw.) und erst im 11. Jh. als "O." (1040 in comitatu Oberargeuue) zur Bezeichnung des oberen Teils des alten Aargaus, nämlich von Murgenthal aareaufwärts bis zum Thunersee. Teils war O. bloss Landschaftsname (in pago...), teils Bezeichnung für den Amtsbezirk eines Grafen (infra comitatum...). Im SpätMA wurde der Begriff O. durch andere ersetzt: Dieselbe Region war z.Z. der spätma. Grafschaftsverfassung (13.-15. Jh.) als Landgericht Murgeten Teil der Landgrafschaft Burgund. Unter Berns Landesverwaltung bildete der O. weder politisch noch rechtlich eine Einheit. Noch im 15. Jh. gab es Bestrebungen, den bern. Verwaltungsbez. "Vogtei (Grafschaft) Wangen" in Nachfolge der alten Landgrafschaft auf deren nördl. Hälfte, also ungefähr auf den heutigen O., auszudehnen, doch teilte sich das Gebiet schliesslich auf die bern. Landvogteien Wangen und Aarwangen auf. Diesen wurde aus organisator. Gründen die Landvogtei Bipp beigefügt. Zusammenfassend wurde die ganze Region "die drei Ämter" genannt. Sie kannten im 17. und 18. Jh. zwar gemeinsame Gewerberechte bzw. Handwerksordnungen und eine gemeinsame Landschreiberei in Wangen an der Aare, aber kein einheitl. Landrecht.

Erst im 17. Jh. erschien der Begriff O. wieder in der Amtssprache, nämlich zur Bezeichung eines militär. Rekrutierungskreises im Umfang der Landvogteien Wangen, Aarwangen, Bipp und Aarburg, gelegentlich auch mit Teilen der Ämter Burgdorf, Landshut und Fraubrunnen. Nach 1815 - anlässlich der Eingliederung des Juras in den Kt. Bern - begann der O. als Landesteil Gestalt anzunehmen. Als Nationalratswahlkreis, der die Amtsbez. Wangen, Aarwangen, Burgdorf und ab 1851 auch Fraubrunnen umfasste, hatte er von 1848 bis zur Einführung des Proporzwahlsystems 1919 auch eine polit. Bedeutung. In der kantonalbern. Verwaltung entstanden vor und nach 1900 erste Verwaltungsbezirke mit der Bezeichnung Kreis O. (Militär-, Forst-, Schatzungskreis usw.); diese Kreise umfassten in der Regel die Amtsbez. Wangen und Aarwangen. Mit der bern. Justizreform entstand Anfang 1997 die Verwaltungs- und Gerichtseinteilung Region Emmental-O., zu deren drei Gerichts-und Grundbuchkreisen die oberaarg. Kreise 4 (Amtsbez. Wangen, Aarwangen) und 5 (Amtsbez. Burgdorf, Fraubrunnen) gehören.

Obschon der O. rückblickend weder geografisch noch historisch eine fest umrissene Einheit war, ist der Begriff geläufig. Er wird v.a. von der Bevölkerung rund um das Regionalzentrum Langenthal als wirtschaftl. (Oberaargauer Industrie) und kulturelle Einheit verstanden, so u.a. im Kulturbetrieb ("Jahrbuch des O.s") wie auch im Vereins- (z.B. Schützenvereine) und Sozialwesen (Oberaarg. Pflegeheim). Ausserhalb des Kt. Bern wird der O. oft fälschlich dem Kt. Aargau zugezählt.


Quellen
SSRQ BE II/10
Literatur
– B. Stettler, Stud. zur Gesch. des obern Aareraums im Früh- und HochMA, 1964
– K.H. Flatt, Die Errichtung der bern. Landeshoheit über den O., 1969
– A.-M. Dubler, «Begriff und Umfang des O.s im Wandel der Zeit», in Jb. des O.s, 2001

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler