No 1

Morettini, Pietro

geboren 1660 Cerentino, gestorben 14.3.1737 Locarno, kath., von Cerentino. Sohn des Filippo, Maurermeisters, und der Filippina Casserini. ∞ 1692 Marie-Rose Ronchan, aus Luxemburg. Mit dem Vater kam M. 1677 nach Besançon, das kurz zuvor (1674) von Ludwig XIV. erobert worden war. Dort wirkten sie an der Erweiterung der Zitadelle nach Plänen von Sébastien Le Prestre de Vauban mit. Ab 1688 arbeitete M. als Bauunternehmer an der ebenfalls von Vauban projektierten Festung Landau in der Pfalz. 1692 nahm er an der Belagerung von Namur (Span. Niederlande) teil, dessen Festung er anschliessend verstärkte. Als diese 1695 von den engl.-holländ. Truppen zurückerobert wurde, diente er dem Statthalter Wilhelm III. von Oranien, Kg. von England, für den er 1695-97 die Kriegsschäden wieder ausbesserte. Als "ordentl. Ingenieur" ab 1697 führte er 1698-1702 Pläne von Menno von Coehoorn in den Vereinigten Niederlanden aus; 1701 wurde er zum Generaldirektor der Festungen befördert. 1703 kehrte M. nach Locarno zurück, trat in den Dienst des Hzg. Viktor Amadeus II. von Savoyen und plante 1704-05 Kanäle nach Losone. Nach seiner Ernennung zum Ingenieur des Kt. Luzern verstärkte er dort das Baslertor mit einem Bollwerk und arbeitete an einem neuen Stadtbefestigungsplan. Für den Kt. Uri und die Talschaft Ursern baute er 1707-08 das Urnerloch bei Andermatt, einen kühnen Strassentunnel auf der Gotthardstrecke. Während der Konfessionswirren, die dem zweiten Villmerger Krieg vorausgingen, plante er 1707-12 Festungen für Freiburg, Solothurn, Sursee, Bremgarten (AG), Willisau, Mellingen und Baden und erweiterte 1710 die sog. Meienschanze in Wassen, einen Urner Vorposten an der Sustenstrasse. 1715-16 wirkte er im Kirchenstaat, 1717-36 in der Republik Genua als erster Ingenieur, Direktor der Festungen und Oberst. Nach seiner Rückkehr im Febr. 1737 nach Locarno starb er unerwartet.


Literatur
– M. Viganò, Petrus Morettinus tribunus militum, 2007

Autorin/Autor: Marino Viganò / CN