Giffers

Polit. Gem. FR, Sensebez. Strassendorf an der Ärgera, 7 km südöstlich von Freiburg; mit den Nebensiedlungen Färtschera, Gauchetli, Matte, Neustatt, Popplera und Vorsatz. 1160 Chivriles, 1301 Guifrils, 1577 Giffers, franz. Chevrilles. 1811 512 Einw.; 1850 470; 1888 749; 1900 683; 1930 690; 1950 770; 2000 1'393. Archäolog. Funde aus dem Neolithikum und der Hallstattzeit weisen auf eine frühe Besiedlung hin. Die Grundherrschaft lag in der 1. Hälfte des 12. Jh. bei den Frh. de Glâne und ging danach an das Kloster Hauterive über. Nach 1317 kam sie durch Kauf in den Besitz des Gf. Peter III. von Greyerz, der sie 1324 mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit an den Freiburger Stadtarzt Petrus Aczonis veräusserte. 1406 wurde G. dem Freiburger Burgpanner zugeteilt. 1442 gelangten mit dem Verkauf der Lehen der Gf. von Thierstein umfangreiche Güter in G. an die Stadt Freiburg. Vom 16. bis Ende des 18. Jh. war das Kloster La Maigrauge in Freiburg wichtigster Grundbesitzer. Die Kapelle St. Tiburtius wurde 1390 erstmals erwähnt. 1630 löste sich G. v.a. aus sprachl. Gründen von der zweisprachigen Pfarrei Marly ab und bildete mit Neuhaus, St. Silvester und Tentlingen eine eigene Pfarrei. St. Silvester wurde 1859 selbstständig, Neuhaus verband sich 1894 mit Plasselb. 1895-1902 gehörten Gebiete der Gem. St. Ursen zur Pfarrei G. Die polit. Gem. konstituierte sich 1831, 1850-95 war sie mit Neuhaus vereinigt.

Ab der 1. Hälfte des 15. Jh. werden Mühlen, eine Stampfe sowie mehrere Kalköfen an der Ärgera erwähnt, im 16. Jh. drei Ziegeleien im Eichholz sowie der Abbau von Sandsteinplatten an der Ärgera. Im 19. Jh. erlangte neben der Landwirtschaft die Strohflechterei grössere Bedeutung. Die starke Bevölkerungszunahme in der 2. Hälfte des 20. Jh. geht auf die wachsende Bedeutung von G. als Wohngemeinde zurück: 1970-2000 nahm die Zahl der Arbeitsplätze in G. ab; gleichzeitig stieg der Wegpendleranteil an und lag 2000 bei mehr als zwei Dritteln. Rund neun Zehntel der Einwohner waren dt. Muttersprache.


Literatur
– G. Kolly, Gesch. der Gem. und Pfarrei G., 1932
– A. Berner, G., 1988

Autorin/Autor: Jean-François Steiert