• <b>Konstaffel</b><br>Der grosse Rüde. Silbervergoldeter Tafelaufsatz von einem Augsburger Meister und dem Schaffhauser Goldschmied  Hans Jakob Läublin,   1700 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-2854.1-4). Das gut 50 cm hohe barocke Trinkgeschirr hat die Form eines Rüden, des Wappentiers der Konstaffel. Auf dem Fuss sind die emaillierten Wappenmedaillons der Familien der Adeligen Gesellschaft zum Rüden angebracht, die das Gefäss 1698 in Auftrag gegeben hatten. Es gilt bis heute als Identifikationsstück der Konstaffel.

Konstaffel [Constaffel]

K. bezeichnet in Rechtstexten die Bewohnerschaft einer Burg, Stadt oder eines Stadtquartiers. In den Städten Zürich und Strassburg waren die K. verfassungsrelevante Institutionen der Oberschicht, vergleichbar mit den Achtburgern in Basel. In Zürich vereinigte Rudolf Brun 1336 die Angehörigen der städt. Oberschicht zur K. (Brun'sche Zunftrevolution). Die alte, bisher ohne Zünfte regierende Oberschicht bzw. die neue K. bestand aus Adligen und Rittern, Rentnern sowie reichen Kaufleuten. Anfänglich war die K. ein Personenverband, aus dem Brun durch Kooptation dreizehn Mitglieder des Rats (Consules) ernannte, denen im Halbjahresrat eine gleiche Anzahl von Zunftmeistern (Scabini) gegenüberstand. Eine innere Verfassung kannte die K. nicht; sie setzte sich wie in Strassburg aus den Angehörigen versch. Trinkstuben der Oberschicht zusammen. Von einer zur K. zählenden Gesellschaft der Edelleute wurde 1348 das Haus zum Rüden gebaut, das bis 1401 auch als Rathaus diente und das Gesellschaftshaus der K. war. Weitere Konturen gewann die K. 1417 mit der Gründung der Gemeinen K., einer bruderschaftl. Institution mit militär., gemeinnütziger sowie kirchl.-religiöser Zweckbestimmung, deren Kasse nach der Reformation als Konstaffelgut bestehen blieb.

Ende des 14. Jh. setzte durch Abwanderung, sozialen Abstieg und biolog. Aussterben führender Fam. ein Bedeutungsverlust der K. ein, welcher im Alten Zürichkrieg seinen Höhepunkt erreichte. Eine Konsolidierung fand nach dem Waldmannhandel 1489 statt. Mit dem 4. Geschworenen Brief von 1489 erhielt die K. den Status einer polit. Zunft. 1490 musste sie durch Ratsbeschluss alle Männer und Frauen in der Stadt ohne Zunftrecht in die sog. Gemeine K. aufnehmen, auch Hintersassen und die randständige Bewohnerschaft des Kratzquartiers (u.a. Spielleute, Bettlerinnen, Frauenwirte). Nach der Reformation schloss sich die spätma. Trinkstubengesellschaft der K. zur Adeligen Gesellschaft zum Rüden ab (1878 aufgelöst). In der Zeit nach 1600 nahm die Adelige Gesellschaft keine neuen Vollmitglieder aus zünftigen Familien mehr auf, sondern gewährte diesen die bedingte Mitgliedschaft eines sog. Stubenhitzers (Kostenbeteiligung am Unterhalt des Rüden). Im Rahmen einer neuen Abteilung der K., der sog. Bürgerl. K., erlangten die Stubenhitzer jedoch Zugang zu den Ratsstellen der K. 1798 wurde die K. aufgelöst, aber 1803 und 1815 als eine der dreizehn kant. bzw. städt. Wahlzünfte wiederhergestellt (1838 bzw. 1866 aufgelöst). Aus den amtl. Wahlzünften wuchsen sog. Zunftgesellschaften mit geselliger Zweckbestimmung. Als solche konstituierte sich die K. 1841 (seit 1899 Gesellschaft zur K.). Ihr Vereinszweck besteht darin, sich am Zürcher Sechseläuten zu beteiligen.

<b>Konstaffel</b><br>Der grosse Rüde. Silbervergoldeter Tafelaufsatz von einem Augsburger Meister und dem Schaffhauser Goldschmied  Hans Jakob Läublin,   1700 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-2854.1-4).<BR/>Das gut 50 cm hohe barocke Trinkgeschirr hat die Form eines Rüden, des Wappentiers der Konstaffel. Auf dem Fuss sind die emaillierten Wappenmedaillons der Familien der Adeligen Gesellschaft zum Rüden angebracht, die das Gefäss 1698 in Auftrag gegeben hatten. Es gilt bis heute als Identifikationsstück der Konstaffel.<BR/>
Der grosse Rüde. Silbervergoldeter Tafelaufsatz von einem Augsburger Meister und dem Schaffhauser Goldschmied Hans Jakob Läublin, 1700 (Schweizerisches Nationalmuseum, DEP-2854.1-4).
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Literatur
– M. Illi, Die Constaffel in Zürich, 2003

Autorin/Autor: Martin Illi