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Gallus

geboren um 550 Ulster (Nordirland), gestorben 16.10., gegen 650 Arbon. Die Zugehörigkeit des G. zum irisch-kolumban. Mönchtum des 6.-7. Jh. gilt als gesichert, seit Walter Berschin die älteste, fragmentar. Fassung (Vetustissima) der G.-Vita in die Zeit um 680 datieren konnte (Überarbeitungen von Wetti um 816-824, von Walahfrid Strabo um 833-834). Eine irische Genealogie des 9. Jh. nennt G. Callech und behauptet seine Herkunft aus der königl. Verwandtschaft der hl. Brigida. Wegen G.' alemann. Sprachbeherrschung vermutet Gerold Hilty eine Herkunft aus den Vogesen. Nach der Vita war G. schon im nordirischen Kloster Bangor Schüler von Kolumban und ab 591 dessen Begleiter auf dem Festland, so nach der Vertreibung aus Luxeuil auch 610-612 in der Alemannenmission. In Tuggen und Bregenz hielt G. Predigten mit anschliessender Zertrümmerung heidn. Götzen, worauf die Mission misslang. Kolumban und seine Mönche verliessen 612 Bregenz. G., fieberkrank geworden, blieb zurück, weshalb ihm Kolumban zur Strafe die Messfeier verbot. Beim Priester Willimar in Arbon wurde G. gesund gepflegt. Der Diakon Hiltibod wies ihn in den Arbonerforst, wo G. am Wasserfall der Steinach um 612 seine Zelle erbaute. Daraus entstand eine Eremitensiedlung und später unter Otmar das Kloster St. Gallen. In einer Vision erfuhr G. von Kolumbans Tod (23.11.615); zur Aufhebung seines Messeverbots erhielt er dessen Stab. 615 schlug G. statt seiner den rät. Diakon Johannes, den er aus Grabs geholt hatte, als Bf. von Konstanz vor. Er verzichtete 629 auch auf die ihm angebotene Abtei Luxeuil. G. starb im Alter von 95 Jahren und wurde im Oratorium seiner Zelle begraben. Gegen 250 G.-Patrozinien bezeugen seine Ausstrahlung.


Literatur
– G. Hilty, «G. in Tuggen», in Vox Romanica 44, 1985, 125-155
– G. Hilty, «G. am Bodensee», in Vox Romanica 45, 1986, 83-115
LexMA 4, 1098
– W. Berschin, Biogr. und Epochenstil im lat. MA 3, 1991, 282-303
– J. Duft, «Die Qu. zum G.-Leben», in Die Abtei St. Gallen 2, 1991, 11-27

Autorin/Autor: Johannes Duft