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Pirmin

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gestorben 2./3. Nov. wahrscheinlich 755 Hornbach (Pfalz). Vermutlich rom. Herkunft. Von Karl Martell erhielt P. 724 einen Schutzbrief und wurde als Klosterbischof nach Alemannien entsandt, wo er das Kloster Reichenau gründete. 727 im Zusammenhang mit dem Aufstand des alemann. Hzg. Theudebald von Reichenau vertrieben, wirkte P. in der Folge im Elsass, v.a. im Auftrag der dortigen Herzöge. Er gilt als Gründer des von den Etichonen gestifteten Elsässer Klosters Murbach (727), das auch Vivarium peregrinorum genannt wurde, sowie des Klosters Hornbach.

Im Zentrum der geistig-religiösen Bestrebungen P.s stand das Ideal der Peregrinatio. Seine Mönche richteten ihr Leben nicht nach der Benediktregel aus, sondern befolgten eine Regula mixta. Eine Wirksamkeit in den Klöstern Gengenbach (Baden), Schuttern (Schwarzwald) und Weissenburg (Elsass) kann ebenso wenig wie ein Kontakt zu Bonifatius nachgewiesen werden. Seine Vita und der ihm zugeschriebene "Scarapsus" mit Texten zum Klosterleben und zur Seelsorge können nicht als aussagekräftige Zeugnisse über P.s Tätigkeit angesehen werden. Seine Reliquien kamen 1575 in die Jesuitenkirche Innsbruck, von wo 1631 Teile ins Kloster Pfäfers übergeführt wurden. Pfäfers ist wie Niederaltaich (Niederbayern) keine Pirminsgründung, obwohl Hermann von Reichenau in seiner Chronik neben Murbach auch die Gründung dieser Klöster durch P. für 731 behauptet und seit dem SpätMA im Pfäferser "Liber aureus" eine entsprechende Tradition besteht.


Literatur
LexMA 6, 2175 f.
LThK 8, 312
Leben und Taten des Bf. P., hg. von R. Antoni, 2002
– A. Angenendt, «Der hl. P. in seiner Zeit», in Archiv für mittelrhein. Kirchengesch. 56, 2004, 33-52
– J. Semmler, «Der hl. P. in der Welt des frühen 18. Jh.», in Archiv für mittelrhein. Kirchengesch. 56, 2004, 9-32

Autorin/Autor: Werner Vogler