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Rüschlikon

Polit. Gem. ZH, Bez. Horgen. Agglomerationsgemeinde am linken Zürichseeufer. 1153-55 Rouslinchoven. 1467 40 Haushalte; 1671 515 Einw.; 1836 825; 1850 909; 1900 1'567; 1950 3'316; 2000 4'858. Neolith. Siedlungsschichten der Horgener Kultur bei R.-Röhrli (1977 archäolog. Sondierung); hallstattzeitl. Grabhügel mit einer Brandbestattung und Beigaben bei R.-Feldimoos (1964); frühma. Steinkistengräber (Altfunde). Der Hof R. gehörte hoch- und niedergerichtlich zum Grossmünster Zürich (Offnungen 1346 und 1390). Daneben bestand auch eine habsburg. Gerichtsvogtei (erwähnt 1335). Alle Rechte über das Dorf gingen an die Stadt Zürich (Obervogtei Horgen) über, nachdem diese 1406 das Amt Horgen-Maschwanden erworben und in der Reformationszeit das Grossmünsterstift partiell säkularisiert hatte. Bis 1798 war R. Teil der Untervogtei Thalwil-Kilchberg (Gerichtsstätte in R.). Die 1530 bezeugte Taverne zur Rose diente anfänglich allen Dorfschaften der Kirchgem. Kilchberg als Gemeindehaus. Die ab dem 16. Jh. bekannte schwefelhaltige Mineralquelle Nidelbad wurde von einem Kurbetrieb 1709-1890 genutzt. Die Einwohner waren vom MA bis ins frühe 18. Jh. nach Kilchberg kirchgenössig; an Stelle der 1314 erw. Filialkapelle St. Nikolaus wurde 1713 eine Kirche errichtet. Die ref. Kirchgemeinde wurde 1721 gegründet. Die kath. Bevölkerung zählt zur Kirchgem. Thalwil-R. (Pfarreirektorat R. seit 1969, kath. Kirche St. Nikolaus 1982).

Neben Ackerbau und Viehwirtschaft wurde im Dorf auch Rebbau betrieben. Im 18. Jh. beschrieb Johann Jakob Scheuchzer die Torflager im Moos. Nichtagrar. Erwerbsformen waren schon früh in R. verbreitet, wie z.B. die Strumpfweberei. 1787 zählte R. 72 Mousseline-Webstühle, aber nur 14 Personen betrieben die Baumwollspinnerei. Im 19. Jh. boten dann die Fayencenmanufakturen von Jakob Fehr und Johannes Scheller (1830-66) und eine Giesserei, eine Rotfäberei und eine Seidenweberei (alle zweite Jahrhunderthälfte) weitere Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Seestrasse (1838), die linksufrige Eisenbahn (1875) und die Autobahn A3 (1966) erschlossen R. verkehrsmässig. 1962 zog das IBM-Forschungslabor von Adliswil nach R.; 1968-83 siedelten sich an der Autobahn ca. 20 weitere Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen an. Stiftungen des ortsansässigen Ehepaars Gottlieb und Adele Duttweiler verhalfen R. zu gemeinnützigen Institutionen (u.a. 1946 Erholungspark, Kulturstätte "im Grüene" und 1963 Gottlieb-Duttweiler-Institut). Das Krankenheim Nidelbad (heute Pflegezentrum), zugleich Schule des Schweiz. Diakonievereins, wurde 1908, das Baptistische Theol. Seminar 1948 eingerichtet (1997 Verlegung nach Prag).


Literatur
– W. Drack, «Der Hallstattgrabhügel II beim Feldimoos, Gem. R.», in ZAK 25, 1967/68, 177-188
Heimatbuch der Gem. R., 2 Bde., 1965-84

Autorin/Autor: Martin Illi