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Pozzi, Giovanni

geboren 20.6.1923 (Paolo) Locarno, gestorben 20.7.2002 Lugano, kath., von Locarno. Sohn des Ettore, Inhabers einer kleinen Firma für Bodenbeläge, und der Maria Rosa geb. Patocchi, Angestellten im Gastgewerbe. Im Alter von elf Jahren trat P. ins Kapuzinerkloster Faido ein und begann als 16-Jähriger das Noviziat in Cesena. 1947 wurde er zum Priester geweiht. 1948-54 studierte er Literatur an der Univ. Freiburg bei Giuseppe Billanovich und Gianfranco Contini und promovierte dort über barocke Rhetorik. Ab 1956 war er PD, ab 1960 ao. und 1967-88 o. Prof. für ital. Literatur in Freiburg. Als Essayist und Literaturkritiker genoss er internat. Ansehen. Seine Interessen galten den Zusammenhängen zwischen Text und Bild, so in seinem Hauptwerk von 1964, der monumentalen Ausgabe der "Hypnerotomachia Poliphili" (1499) von Francesco Colonna. Mit den krit. und kommentierten Ausgaben der "Dicerie sacre" (1960) und des "Adone" (1976 und 1988) von Giambattista Marino, v.a. aber mit der Studie "La parola dipinta" (1981) wurde P. zu einem der massgebl. Spezialisten für Barockliteratur. Ferner wirkte er als Herausgeber und Forscher myst. Schriften ("Grammatica e retorica dei santi" 1997), aber auch als origineller ikonograf. Interpret ("Rose e gigli per Maria: un'antifona dipinta" 1987). Einen bedeutenden Beitrag leistete er auch als Berater und Reorganisator von Freiburger und Tessiner Buch- und Archivbeständen, v.a. für die Biblioteca Salita dei Frati in Lugano, der er seine eigenen Bücher vermachte. P. erhielt hohe Auszeichungen, u.a. den Premio Galilei und den Viareggio-Preis für Literaturkritik. Dr. h.c. der Univ. Bologna, Genf und Udine.


Literatur
Forme e vicende, hg. von O. Besomi et al., 1988, (mit Werkverz.)
– D. Isella, Per Giovanni P., 2001
– O. Besomi, «Giovanni P.», in AST, 2003, Nr. 133, 161-194

Autorin/Autor: Guido Pedrojetta / PTO