Amerio, Romano

geboren 17.1.1905 Lugano,gestorben 16.1.1997 Lugano, kath., von Cortanze d'Asti (I), ab 1977 Ehrenbürger von Lugano. Sohn des piemontes. Arztes Giuseppe und der Maria Moroni Stampa, von Lugano. ∞ Marta Balestra. Nach dem Gymnasium und dem Lyzeum in Lugano promovierte A. an der Mailänder Università Cattolica in Philosophie (1927) und Klass. Philologie (1934). Am Lyzeum Lugano lehrte er zuerst Griechisch und Latein, dann Philosophie. Ab 1951 war er PD für die Gesch. der Philosophie an der Università Cattolica. Seine ebenso leidenschaftl. wie geistvolle Hinwendung zu den Klassikern fand ihren Ausdruck v.a. in seinem geduldigen und unablässigen Wirken als Philologe. So war A. ein grosser Erneuerer der Stud. über Tommaso Campanella. Sehr anregend sind auch seine Forschungen zu Alessandro Manzoni (dessen "Morale Cattolica" A. herausgab und kommentierte), zu Giacomo Leopardi (und dessen "ultrafilosofia"), zu den Kirchenvätern, die er übersetzte und herausgab, sowie über geistige Strömungen wie das Epikureertum. So sehr er sich bemühte, grosse Stimmen der Vergangenheit dem Vergessen zu entreissen, so wenig entfernte er sich vom modernen Leben: In "Iota unum. Studio delle variazioni della Chiesa cattolica nel secolo XX" (1985) setzte er sich beispielsweise mit den jüngsten Wandlungen im Innern der kath. Kirche auseinander, bekämpfte lebhaft und mit grosser Gewandtheit Positionen, die in versch. Aspekten denjenigen von Marcel Lefebvre verwandt, wenn auch nicht von diesem abhängig waren. Um 1990 stimmte A., welcher das Italienische in höchster Formvollendung beherrschte, der Veröffentlichung eines umfangreichen Zibaldone (Miszellaneen) seines Werks zu.


Literatur
Corriere della Sera, 31.1.1959
– E. Zolla, Uscite dal mondo, 1992, 449-452

Autorin/Autor: Giovanni Orelli / EB