19/11/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Muntelier

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. FR, Seebez. Ehem. Fischerdorf am Murtensee, Teil der Agglomeration Murten. 1270 Es Montelliers, franz. Montilier. 20 Haushalte im 15. Jh.; rund 15 im 17. Jh.; 1811 374 Einw.; 1850 408; 1900 576; 1950 493; 2000 719. 91% der Einw. sprachen im Jahr 2000 Deutsch, 8% Französisch.

1 - Ur- und Frühgeschichte

Die neolith. Seeufersiedlungen von M. gehören zu den ältesten, fundreichsten und besterhaltenen der Schweiz. Zwischen 1971 und 2003 untersuchte der Archäolog. Dienst des Kt. Freiburg sechs Siedlungen: M.-Dorf, M.-Fischergässli und M.-Strandweg für das mittlere Neolithikum (klass. Cortaillod-Zeit), M.-Platzbünden für das Spätneolithikum (Horgener Kultur) sowie M.-Steinberg und M.-Dorfmatte für das Endneolithikum (Lüscherzer Kultur und sog. Auvernier cordé). Die dendrochronolog. Datierungen bewegen sich zwischen 3890 und 2625 v.Chr.

Die Bronzezeit (2300-800 v.Chr.) manifestiert sich in der Region Murten durch einige Fundorte am See sowie durch Siedlungen in den sumpfigen Senken und auf den Hügeln weiter südlich. Auf dem Gemeindegebiet von M. wurde nur ein bedeutender Fundort entdeckt, die grosse spätbronzezeitl. Ufersiedlung M.-Steinberg, die im 19. Jh. vom Bieler Friedrich Schwab und später von Gustav von Bonstetten ausgegraben wurde. Zudem fanden wilde Grabungen statt. Dieser reiche Fundort ist seit Ende des 20. Jh. durch starke Erosion bedroht. 2007 und 2008 wurde mit Tauchgrabungen versucht, die Ausdehnung und den Zustand der Siedlung genauer einzuschätzen. Bei der Aushebung eines Grabens in der Nähe eines Wohngebäudes im Dorfzentrum wurden 1974 in einer organ. Schicht abgelagerte Tonscherben aus der Spätbronzezeit entdeckt. Aus der Eisenzeit sind bislang keine Spuren bekannt. Ein ehemaliger röm. Weg ist stratigrafisch erfasst. Eine Niederlassung aus derselben Epoche befindet sich nahe der Kirche.

Autorin/Autor: Denis Ramseyer / CSC

2 - Vom Mittelalter bis zum Beginn des 21. Jh.

M. gehörte bis 1533 zur Gem. Murten und teilte deren Geschichte bis nach der Reformationszeit. Die Kirche St. Mauritius wird 1228 erstmals erwähnt, ihre Gründung erfolgte jedoch in spätröm.-merowing. Zeit. Sie diente als Pfarrkirche der Pfarrei Murten, bis sie 1762 ersatzlos abgebrochen wurde. Seit 1684 unterhält M. eine Dorfschule, das Schulhaus stammt von 1702. Der hochbarocke Herrensitz der Berner Fam. von Ernst wurde um 1700 erbaut. Das Strassendorf wurde nach dem Dorfbrand von 1741 wieder aufgebaut. Das ab 1863 erw. Hotel Bad Muntelier entstand aus einer Brauerei, einer Pinte, einem Seebad sowie einem Tanz- und Theatersaal. Die 1825-26 errichteten Gebäude der Rotfärberei Erath übernahm 1854 Etienne-Ovide Domon, dessen Uhrengehäusefabrik als einzige frühindustrielle Gründung im Kanton Erfolg hatte. Die Montilier Watch Co. SA beschäftigte in ihren besten Zeiten 600 Personen (Schliessung 1962). Seit 1957 befindet sich der Sitz des Getränkeautomatenherstellers Selecta AG in M.

Autorin/Autor: Hermann Schöpfer

Quellen und Literatur

Literatur
– J.-P. Anderegg, Die Bauernhäuser des Kt. Freiburg 1, 1979
– E. Löffel, M., 1985
– D. Ramseyer, «Le lac de Morat et la rive sud du lac de Neuchâtel à l'époque néolithique», in Die ersten Bauern 1, Ausstellungskat. Zürich, 1990, 313-323
Kdm FR 5, 2000, 410-420
M./Fischergässli, hg. von D. Ramseyer, 2000
Freiburger H. für Archäologie 7, 2005, 4-73, 90-113, 148-163